Rede Andrea Johlige

Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Genossinnen und Genossen,

wir vollbringen gerade Höchstleistungen als Partei. Und ich finde, darauf sollten wir  stolz sein. Was wir alle gemeinsam in den vergangenen Monaten im Kampf gegen rechts und in der Flüchtlingsarbeit vollbracht haben, ist großartig und ich habe das Gefühl, dass wir hier eine Aufgabe gefunden haben, die uns als Partei, als Landesverband zusammenschweißt. Wir sind präsent vor Ort, wir sind wieder verankert in der Zivilgesellschaft und wir gewinnen durch dieses Engagement neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Monate wird sein, zu gewährleisten dass diejenigen, die darüber zu uns kommen, auch thematische Strukturen und Andockpunkte vorfinden. Das Netzwerk Willkommenskultur, das wir seit Anfang 2014 pflegen und zu dem regelmäßig zwischen 30 und 60 Personen aus dem ganzen Land, auch außerhalb der Partei anreisen, ist dabei ein Baustein. Aktuell planen wir eine Facharbeitsgemeinschaft zu gründen und wir bereiten eine Mitgliederwerbekampagne vor allem für die Zielgruppen MigrantInnen und Aktive in der Flüchtlingsarbeit vor.

Damit im Zusammenhang steht  der Bereich der innerparteilichen Beteiligung an Politikentwicklung. Ich möchte, dass jede Genossin und jeder Genosse nicht nur bei Abstimmungen auf Parteitagen mitentscheiden kann, sondern vor allem in der täglichen Arbeit an der Entwicklung von Inhalten mitwirken kann.  Die innerparteilichen Zusammenschlüsse sind ein guter Ort, wo genau dies stattfinden kann, ich glaube aber, wir brauchen noch weitere Formen der fachpolitischen Vernetzung. Erste Ideen existieren, bspw. die Herausgabe eines Debattenheftes, um die Diskussion zu verschiedenen Themengebieten anzustoßen und mit begleitenden Veranstaltungen zu Ergebnissen für unser politisches Handeln zu führen. Und auch im Bereich der  Stärkung der Zusammenarbeit der FachpolitikerInnen über Facharbeitsgruppen besteht Handlungsbedarf. Auch die Regionaltage in der neuen Form stärken die Zusammenarbeit im Landesverband. Diese Vernetzungsarbeit sollte in den kommenden Monaten einen Schwerpunkt unserer Arbeit bilden, auch um die Schärfung unseres politischen Profils inhaltlich voranzutreiben.

Liebe Genossinnen und Genossen,

als Landesvorstand haben wir  in den vergangenen Monaten seit der Landtagswahl intensiv daran gearbeitet, das Profil der Partei zu schärfen und in der Öffentlichkeit stärker mit unseren Inhalten präsent zu sein. Mehr geht immer, aber ich finde, das ist uns gelungen, gerade in den Bereichen Bildung und Asyl. Das wollen wir noch weiter verbessern, auch in dem Wissen, dass unser Koalitionspartner diese Profilschärfung nicht immer gern sieht. Dennoch ist sie notwendig und wichtig für unser politische Agieren.

In den kommenden Monaten wird es außerdem darum gehen, unsere Aktions- und Kampagnenfähigkeit auszubauen. Wir haben da in den vergangenen Jahren einiges geschafft: mit dem Ausleihservice für Materialien und der Technik für Demonstrationen und Veranstaltungen stehen uns als LINKE in Brandenburg Instrumente zur Verfügung, die kein anderer Landesverband der LINKEN hat. Und diese Instrumente helfen uns, vor Ort die Präsenz zu zeigen, die nötig ist. Und dennoch wissen wir, dass wir auch Schwächen haben, an denen es zu arbeiten gilt. So wissen wir, dass es uns in einigen Regionen schwer fällt, Wahlkämpfe wie in den vergangenen Jahren zu bestreiten. Deshalb wollen wir bspw. einen Pool aus Aktiven aufbauen, die bereit sind, wenn nötig in anderen Kreisverbänden auszuhelfen. Das brauchen wir für anstehende Bürgermeister- und Landratswahlen ebenso wie für den kommenden Wahlzyklus, der mit der Bundestagswahl beginnt.


Liebe Genossinnen und Genossen,

dass ich heute noch mal hier stehe und mich erneut als Landesgeschäftsführerin bewerbe, hätte ich vor einem halben Jahr selbst nicht geglaubt, vor allem weil die Arbeitsbelastung der vergangenen Monate sehr hoch war. Deshalb haben wir im Landesvorstand auch mit den Kreisvorsitzen  sehr lange darüber diskutiert, ob ich ein weiteres Mal kandidieren sollte. Wir haben gemeinsam entschieden, dass ich es tue, vor allem aus drei Gründen:

1. Weil wir in der Konstellation, in der wir sind, organisierte Schnittstellen brauchen zwischen Partei und Fraktion, um das immer wieder und völlig zu Recht eingeforderte Rollenspiel bewerkstelligen zu können. Das meint sowohl den Informationsfluss zwischen den Akteuren als auch die mediale Präsenz.

2. Weil wir in der aktuellen gesellschaftlichen Situation rund um die Fragen zur Flüchtlingspolitik und dem Kampf gegen rechts als Partei vor allem eine gesellschaftspolitische Aufgabe haben und die Verbindung von parteipolitischen und parlamentarischen Aktivitäten hier eine ganz neue Bedeutung bekommt. Und

3. Weil die vergangenen Jahre der Arbeit als Landesgeschäftsführerin einen Erfahrungsschatz sowohl in der Kenntnis des Landesverbands, der Aktiven in den  Kreisverbänden und der Strukturen und Gremien ebenso gebracht haben wie bei der Vorbereitung und Führung von Wahlkämpfen.

Gleichzeitig wissen wir, dass die Sorge besteht, dass durch die Belastung mit dem Landtagsmandat ein Teil der Arbeit liegen bleibt. Dem sind wir dadurch begegnet, dass wir eine Geschäftsstellenleiterin eingestellt haben, die einen Teil dessen, was bisher auf meinem Tisch lag und was vorrangig organisatorischer Natur war, mit weg arbeitet. Aus unserer Sicht und den Erfahrungen der vergangenen 2 Monate funktioniert das Modell gut, vor allem weil ich mich dadurch auf die politischen Aufgaben konzentrieren kann, also auf die Bereiche der Koordination und Kommunikation mit den Kreisverbänden und Zusammenschlüssen, die Zusammenarbeit mit der Bundespartei, die Abstimmung mit der Fraktion und den Regierungsmitgliedern, Konfliktbewältigung, Politikentwicklung, strategische Öffentlichkeitsarbeit, Strukturentwicklung und die Vorbereitung der Wahlkämpfe. Diese politischen Aufgaben mögen nicht immer sofort wahrnehmbar sein, sie sind aber ein ganz wichtiger Teil dessen, was die Landesgeschäftsführung ausmacht.
 
Liebe Genossinnen und Genossen,

ich bin Freundin offener Worte und ich weiß, dass meine direkte Art dem einen oder anderen manchmal schwer im Magen liegt. Ich kann euch nur darum bitten, mir das dann einfach auch zu sagen, weil nur, wenn es eine Rückmeldung gibt, kann ich daraus lernen.

Die vergangenen zwei Jahre waren kein Spaziergang, wir alle hatten viel zu tun und waren manchmal auch überlastet, wir hatten Tiefschläge und Rückschläge – aber es waren auch zwei Jahre , die viel Freude gemacht haben und wir haben gemeinsam viel erreicht. Lasst uns daran weiterarbeiten, lasst uns zusammen stehen und unsere Kraft in die politische Arbeit stecken. Dieses Land braucht uns als LINKE, als starke LINKE, braucht unser Engagement gegen Nazis, für soziale Gerechtigkeit und für ein solidarisches Miteinander. Und genau daran möchte ich weiter mitarbeiten und genau deshalb bewerbe ich mich heute erneut als Landesgeschäftsführerin.