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Aktuelles aus dem Landesverband

Caren Lay spricht auf der Demonstration des Aktionsbündnisses "#AlarmstufeRot" am 9. September 2020 in Berlin
Caren Lay steht auf einer Bühne vor einer Menschenmenge, von denen viele ein rotes T-Short oder eine rote Weste tragen

Conny Meißner

Alarmstufe ROT – Kreativwirtschaft vor dem Kollaps

Bernd Riexinger spricht auf der Demonstration des Aktionsbündnisses "#AlarmstufeRot" am 9. September 2020 in Berlin
Bernd Riexinger steht auf einer Bühne mit einem Mikrofon in der Hand

Es ist fünf nach zwölf! So lautet der Hilferuf aus einer Branche, die oft "hinter den Kulissen" arbeitet und bisher im Rahmen der Coronahilfspakete nicht beachtet und/oder falsch eingeschätzt wurde. Seit März kann die Veranstaltungsökonomie faktisch wenig oder keine Umsätze generieren, kann nicht arbeiten. Es drohen Insolvenzen. Gut eine Millionen Beschäftigte sind betroffen. Höchste Zeit, den in seiner Existenz bedrohten sechstgrößten deutschen Wirtschaftszweig ins Rampenlicht zu rücken.

Mit Maske und Abstand und Anstand

Berlin, 9. September 2020, "fünf vor zwölf": Merchandiser, Messebauer, Backliner, Security, Stager, DJs, Video-, Licht- und Tontechniker, Caterer, Booker, Clubbetreiber, Schausteller, Bands, Schauspieler, Verbände, Veranstalter … gut 6.500 Teilnehmer*innen, unter ihnen auch unsere Co-Landesvorsitzende Katharina Slanina, demonstrieren im roten T-Shirt mit Maske und Abstand zu Fuß oder im Fahrzeugcorso, der mit über 500 LKW unterwegs war. Aufgerufen hatte das Aktionsbündnis "#AlarmstufeRot", das auch schon am 22./23. Juni 2020 mit der Protestaktion "Night of Light", an der sich bundesweit rund 8.000 Unternehmen beteiligten, auf die Situation der Branche hingewiesen hat. Doch diese Aktion, wie auch die wöchentlichen Mittwochsdemos in den Landeshauptstädten, verklang vielfach ungehört. Die Hilfsprogramme der Bundesregierung für die Branche sind gut gemeint, doch in vielen Fällen unwirksam, am Bedarf vorbei oder durch zu viel Bürokratie schwierig zu erhalten.

Damit soll nun Schluss sein. Die Bündnispartner von "#AlarmstufeRot" fordern einen politischen Dialog. Vor über 15.000 Menschen erklären sie auf der großen Bühne am Brandenburger Tor noch einmal die Situation. Herbert Grönemeyer und viele andere Prominente aus Kunst und Kultur übermitteln ihre Solidarität.

Kultur ist Nahrung für die Menschen

Dann kamen Politiker*innen aus den Regierungsparteien sowie von Grünen und LINKEN an den "symbolischen Dialogtisch" auf die Bühne. Über Parteigrenzen hinweg waren sich die Redner*innen darin einig, dass die Branche einen wichtigen, unersetzbaren Wert für die Gesellschaft habe. Sie betonten in ihren je vier Minuten Redezeit unisono, dass sie sich einsetzen werden. Fast wirkte es paradox, sprachen sie doch vor Menschen, denen das "Wasser bis zum Hals steht" und den Verantwortlichen Handlungsoptionen seit März freistehen. So analysierte Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE, dann auch: "Die Lage ist desaströs. Eine Pleitewelle droht und die Bundesregierung tut zu wenig um Arbeitsplätze zu schützen!". Auch die LINKEN Bundestagsabgeordneten Dr. Diether Dehm und Klaus Ernst gaben sich kämpferisch und forderten die Branche auf, den Druck auf den Politikbetrieb aufrecht zu erhalten. Caren Lay, ebenfalls Bundestagsabgeordnete der LINKEN, wies zudem noch auf die besondere Lage kleinerer Clubs und Festivals hin, die in dieser angespannten Lage nicht untergehen dürften.

Die Demonstrierenden hörten allen Politiker*innen geduldig zu, niemand wurde ausgebuht. Sie klatschten und gaben ihrem Vertrauen Ausdruck in der Hoffnung, dass sich nun etwas bewegen wird. Die sechs Kernforderungen der Veranstaltungswirtschaft wurden vorgestellt und symbolisch als Deklaration übergeben. Dazu gehören unter anderem erweiterte Überbrückungs- und Kreditprogramme, ein steuerlicher Verlustrücktrag sowie ein angepasster EU-Beihilferahmen und flexiblere Kurzarbeiterregelungen.

Nun ist es an der Politik zu handeln.

Randnotiz: Diese Demo war ein richtiger Hingucker! "Querdenker" wurden weggeschickt. Diese vielen coolen Leute haben nicht zugelassen, dass ihr Protest von irgendwem vereinnahmt wurde. Und sie demonstrierten mit Abstand und Maske, redeten miteinander und mit Politiker*innen und machten lösungsorientierte Vorschläge. Klasse Crew!

 


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