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Claudia Sprengel
Claudia Sprengel streikt am Frauentag für die Selbstbestimmung aller Frauen

LAG LINKE Frauen

Frauentag: Wofür wir kämpfen!

Am 8. März ist wieder Frauentag! Der Tag, der uns jedes Jahr darüber nachdenken lassen sollte, was wir bisher in Sachen Geschlechtergerechtigkeit erreicht haben und woran wir noch arbeiten müssen. Ein Erfolg der letzten Monate kam sogar aus Brandenburg: Das Paritè-Gesetz. Die Regelung soll sicherstellen, dass Frauen die gleichen Chancen auf Mandate im Landtag haben wie ihre männlichen Mitstreiter. Was für einige ein Grund zum Feiern war, ist für andere Anlass sich zu beschweren. Logisch, wenn man kaum Frauen auf der eigenen Landesliste hat. Statt über die jeweiligen Gründe zu reflektieren, geschieht hier aber eine reflexhafte Abwehr.

Beim Auftakt der Brandenburgischen Frauenwoche am 28. Februar 2019 auf der Burg Beeskow wurden die Diskutantent*innen gefragt, was sie vom Motto "Hälfte-Hälfte" hielten und ob dies denn genüge. Ich sage – nein! Gesetze allein ändern nicht die Gesellschaft. Um mehr Frauen für politische Ämter oder auch für andere Führungspositionen in Universitäten, Gewerkschaften und Vereinen zu gewinnen, muss sich etwas am Miteinander ändern.

Das heißt zum einen, dass Barrieren im Kopf und in der Praxis abgebaut werden müssen. Die Politik und auch andere Strukturen wurden von Männern geschaffen, in einer Zeit mit einer patriarchalen Rollenaufteilung. Diese Strukturen passen oft nicht mehr zu den heutigen Vorstellungen und Bedürfnissen. Die Umgestaltung ist mühsam, gerade in bürokratischen Strukturen. Dabei geht es zum einen um Zeit, denn Frauen arbeiten immer noch mehr unbezahlt – Haushalt, Sorgen für andere und Lohnarbeit. Hier müssen Frauen entlastet werden. Das geht durch Angebote wie Kinderbetreuung während Sitzungen und familienfreundlichere Zeiten, aber braucht eben auch ein offenes Denken. Es muss auch leichter für Männer werden, solche Aufgaben zu übernehmen und das verkrustete Bild des Hauptverdieners abzuschütteln. Es ist eine begrüßenswerte Entwicklung, dass immer mehr Männer diesem Bedürfnis nachgehen und sich bewusst mehr Zeit für die Familie nehmen. Laut Studien würden sogar noch mehr Männer gerne diesem Wunsch nachgehen, wenn es für die Familie keine finanziellen Nachteile bringen würde.

Da sind wir beim nächsten Thema – die Bezahlung. Männer verdienen immer noch durchschnittlich mehr als Frauen. Ja, das liegt auch an den wenig wertgeschätzten sozialen Berufen, in denen Frauen oft arbeiten, aber eben nicht nur. Männer sollten ebenso ermutigt werden, solche Berufe zu  ergreifen wie Frauen, die nicht mehr an die Gläserne Decke stoßen sollten. Zu oft scheitern Karrierewege von Frauen an Männerbünden oder Erziehungs- und Teilzeit. Unfreiwillige Teilzeit von Frauen ist nicht hinnehmbar. Vielmehr ist zu wünschen, dass 30 Stunden Arbeitszeit zur Vollzeit werden, um allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich gesellschaftlich und familiär einzubringen. Reichtum und Arbeitszeit sollten fairer verteilt werden, auch zwischen den Geschlechtern.

Zuletzt darf nicht der Kampf um sexuelle und körperliche Selbstbestimmung vergessen werden. Zum einen gab es im letzten Jahr die Studie der Familienministerin die besagt, dass jeden zweiten Tag eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht wird. Zum anderen wird aber vermehrt über die Selbstbestimmung der Frau diskutiert. Sei es in ihrer Sichtbarkeit (Burka-Verbot) oder in reproduktiven Fragen (§218/ §219a, Pille danach, Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen). Rechte Parteien bedrohen das Recht von Frauen frei über ihren Körper und dessen Sichtbarkeit zu entscheiden. Dem wohnt eine Entmündigung inne. Demgegenüber werden Bewegungen wie #metoo oder der "women's march" diskreditiert, als ob das Problem nicht existieren würde, oder wenn überhaupt nur von Nicht-Deutschen ausgehen würde, was jeder statistischen Grundlage entbehrt.

Wir stehen also an einem Scheideweg: Zum einen wurde selten so viel über feministische Themen wie Schwangerschaftsabbrüche oder Paritè gesprochen wie in den letzten Monaten, zum anderen waren feministische Errungenschaften selten so bedroht. Wir müssen dafür kämpfen, dass der Diskurs in die Richtung für Selbstbestimmung und Freiheit von Frauen geht. Dafür kämpfen wir heute – Euch allen einen schönen Frauentag!

Claudia Sprengel