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Innovation statt Kommerz - Filmförderung in Deutschland aktuell nicht zukunftsfähig

von Harald Petzold

Während der Berlinale wird die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit der Filmlandschaft besonders sichtbar. Das Produkt Film wird gefeiert, der deutsche Film hofiert- von Seiten der MacherInnen als künstlerisches Werk, von Seiten der Kulturstaatsministerin Monika Grütters zuerst als Wirtschaftsfaktor. Wirtschaftsfaktor und Kulturgut müssen sich nicht ausschließen. Doch es braucht faire Regelungen der Filmförderung, um beides zu ermöglichen. Die Novellierung des Filmförderungsgesetzes 2016 gibt Anlass, bestehende Missstände gestaltend anzugehen. DIE LINKE hat sich dazu mit einer öffentlichen Anhörung im September 2015 bereits eingebracht.

Prekäre Arbeits- und Sozialversicherungsverhältnisse sind in der Filmbranche eher die Regel als die Ausnahme. Das FFG verschärft durch zahlreiche Auflagen diese Situation noch. Filmschaffende werden oft zu Selbstausbeutung und Lohndumping getrieben, um ihr Projekt verwirklichen zu können. Der Rückhalt der Gewerkschaften bleibt schwach. Mit der Novelle des FFG fordert DIE LINKE Regulierungen, welche die Bewilligung der Gelder abhängig macht von der fairen Entlohnung der beteiligten Akteure. Wenigstens Mindestlohn muss Standard sein, dessen Umgehung ist mit einer Sperrfrist der verantwortlichen Produktionsfirmen zu sanktionieren. Gleichzeitig müssen ProduzentInnen so gestärkt werden, dass diese Bedingungen realisierbar werden. Aktuelle Auflagen wie Regionaleffekte und entsprechende Abstimmungen auf mehrere Förderer verteuern die Produktion. Durch gängige Rechteabtretung fehlt ausreichende Beteiligung am Gewinn. Allgemeine zeitliche Regulierungen verhindern bislang individuelle Verwertungsabläufe.

Ein weiterer Schwerpunkt der LINKEN ist der Missstand, dass Fördergelder zu ca 80-90% an männliche Filmschaffende vergeben werden und entsprechend wenig Frauen als Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen Filmprojekte realisieren. Für die Aktualisierung des FFG lohnt ein Blick auf Schweden. Dort wird die Hälfte der Fördergelder an Projekte vergeben, in denen Frauen die genannten Positionen einnehmen. Zusätzliche Maßnahmen der Frauenförderung sind fest etabliert. Für DIE LINKE ein klares Signal, die Referenzmittel in diesem Bereich zu verdoppeln.

Doch was ist Kino, die Filmbranche und Kultur ohne das Publikum, ohne die Menschen, die das Angebot wahrnehmen? Auch hier kann das FFG Film als Kulturgut stärken, indem Filmbildung im schulischen Bereich etabliert wird und Kinos ortsnah zugänglich sind bzw. bleiben. Sehgewohnheiten zu erweitern sollte ein politisches und kulturelles Anliegen sein. Gerade Kinder-, Animations- und Dokumentarfilme benötigen erhöhte Förderung, um gesellschaftlich präsenter zu werden.

Jetzt ist die Chance, für all diese Punkte einzutreten. Am 26.02.2016 präsentiert DIE LINKE im Potsdamer Landtag die Broschüre „Innovation statt Kommerz. Für eine Neuausrichtung des Filmförderungsgesetzes“, in der sie sowohl die Ergebnisse der o.g. Anhörung dokumentiert als auch eigene Schwerpunkte vorstellt. Auf dass die nächste Berlinale im Zeichen einer produktiven, vielfältigen und fairen Filmlandschaft steht!


Bundestagsreport

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