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Verlängerung der Zulassung von Glyphosat gestoppt - vorerst

von Dr. Kirsten Tackmann

"Roundup" ist vielleicht das bekannteste Pflanzenschutzmittel. Man konnte es bis vor kurzem noch in jedem Baumarkt kaufen. Der darin enthaltenen Wirkstoff Glyphosat ist seit 40 Jahren Bestandteil vieler Unkrautvernichtungsmittel. Seine 10 jährige Zulassung läuft noch bis Ende Juni 2016. Über eine Zulassungsverlängerung – dieses Mal für 15 Jahre - entscheidet Brüssel. Zuvor müssen die gesundheitlichen und ökologischen Risiken des Wirkstoffs neu bewertet werden. Deutschland ist in diesem Fall berichterstattendes Mitgliedsland. Deshalb lag die erneute Überprüfung in den Händen des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) in Berlin.

Sein Fazit: bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat sei nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten.“ 

Ganz anders die Krebsforschungsagentur der WHO (IARC). Sie stufte den Wirkstoff im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das BfR habe Studien unbegründet nicht berücksichtigt oder fehlerhaft ausgewertet bzw. die falschen Schlussfolgerungen daraus gezogen, lautet der Vorwurf, der auch in einer Ausschussanhörung vor einigen Monaten vorgetragen wurde.

Trotzdem blieb das BfR bei seiner Bewertung und die zuständige Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA schloss sich dem an und empfahl den Mitgliedsstaaten die Zulassungsverlängerung, die trotz der Kritik und unterschiedlichen Bewertungen vor wenigen Tagen beschlossen werden sollte.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass  wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten zunächst geklärt werden sollten, bevor die Zulassungsverlängerung des Wirkstoffs zur Entscheidung gestellt wird. Erst Recht bei solchen Risiken. Noch im Februar hatte das BfR behauptet, alle Mitgliedsstaaten stünden hinter seiner Einschätzung.

Doch nun die Wende: es gab vor wenigen Tagen keine Mehrheit für die Zulassungsverlängerung von Glyphosat in der EU. Die Entscheidung wurde deshalb vertagt. Es sollen Ergebnisse weiterer wissenschaftlicher Bewertungen und Diskussionen – auch innerhalb der WHO - abgewartet werden. Die französische Umweltministerin hat sogar im Februar eine eigene Überprüfung der Risikobewertung veranlasst.

Unterdessen hat das Thema hohe Wellen geschlagen, weil Glyphosat häufig im Urin und im Bier nachgewiesen wurde. Wenn auch in geringen Mengen ist das ein Hinwesie darauf, dass der Mensch häufiger mit dem Wirkstoff in Kontakt kommen könnte, als bisher angenommen.

Statt diesen Hinweisen nachzugehen, warnt das BfR vor Panikmache, zieht absurde Vergleiche zwischen Glyphosat und Kochsalz und findet, dass der Nachweis im Urin doch vor allem beweisen würde, dass es nicht im Körper verbleibt. 

Selbst die Bundesregierung hat möglicherweise kalte Füße bekommen und will nun erst mal abwarten.

DIE LINKE bleibt bei ihrer Forderung, erst die Fragen nach den Risiken zu klären und als Sofortmaßnahmen alle unnötigen Anwendungen zu verbieten. Dazu gehört die so genannte Vorerntebehandlung, aber auch die Verwendung im privaten Bereich sowie den Verkauf in Baumärkten und im Internet. Hätten Union und SPD unserem Antrag zugestimmt, wäre die Blamage vermieden worden. Die Zeche zahlt mal wieder die Landwirtschaft, die auf die Akzeptanz und den Respekt der Öffentlichkeit abgewiesen ist.


Bundestagsreport

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