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Der nächste Akt im Drama um die Potsdamer Garnisonkirche

von Norbert Müller

Die Potsdamer Bürgerschaft hat sich im vergangenen Jahr mit über 14.000 Unterschriften in einem erfolgreichen Bürgerbegehren gegen die Pläne für den Neubau der Garnisonkirche zur Wehr gesetzt. Dennoch forciert die revisionistische Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) weiterhin den Baubeginn, bevor die 2013 erteilte Baugenehmigung im Jahr 2019 ausläuft.

Keine Spenden für die Militärkirche

Kirchturm und Kirchenschiff sollten ursprünglich ca. 100 Mio. Euro kosten. Nach dem Vorbild der Dresdener Frauenkirche plante die SGP Spenden für den Neubau zu akquirieren. Doch im Gegensatz zur Frauenkirche, die ein Symbol der Folgen des Krieges und historisch eine Bürgerkirche war, stand die Garnisonkirche immer für preußische Kriege mit göttlichem Segen und 1933 für das unheilvolle Bündnis der alten Eliten mit dem Faschismus. Spätestens seit internationale Medien von der „Church of Evil“ oder „the Nazi Church“ sprechen, sind sich Spender der aufgeladenen Bedeutung bewusst. Wer für die Garnisonkirche spendet, steht unter dem berechtigten Verdacht, nationalistischen Revisionismus zu unterstützen. Einen solchen Imageschaden nehmen glücklicherweise nur wenige, und wenn dann anonyme Personen und Firmen in Kauf.

Wankas letzte Rache

Als Anschubfinanzierung stellte die ehemalige Wissenschaftsministerin Johanna Wanka im Jahr 2009, als eine der letzten Amtshandlungen der abgewählten Brandenburger CDU und als vergiftetes Geschenk für die damals neue Rot-Rote Landesregierung ganze 2 Mio. Euro aus den Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR für den Neubau der Garnisonkirche zur Verfügung.

Neumann Abschiedsgeschenk

Der bis 2013 amtierende Kulturstaatsminister des Bundes Bernd Neumann sorgte noch kurz vor seinem Ruhestand dafür, dass der Neubau der Garnisonkirche zum Denkmal von nationalem Belang erklärt wurde und der Bundestag insgesamt 12 Mio. Euro Fördermittel aus dem Bundeshaushalt bereitstellen sollte. Die Bedingung: Die Gesamtfinanzierung muss gesichert sein.

Mit göttlichem Segen

Nun hat am 10. April die Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit 66 gegen 31 Stimmen beschlossen, der SGP ein zinsloses Darlehen in Höhe von 3,25 Millionen Euro für den Nachbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche bereitzustellen. Der Kredit soll innerhalb von 30 Jahren aus potentiellen Einnahmen zurückgezahlt werden. Als Dank lässt sich die EKBO ins Grundbuch eintragen, wodurch sich die EKBO - Gesetz den Fall, dass der Bau der Garnisonkirche nicht zustande kommen sollte - ein Potsdamer Filetgrundstück gesichert hat. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland erwägt weitere 1,5 Mio. Euro Kredit zu geben.

Üb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab

Trotz aller geschnorrten, gepumpten und von Freunden erklügelten Mittel reicht es einfach nicht aus, die notwendigen Kosten für den Bau zu decken. Deshalb hat die SGP nun beschlossen, nicht nur auf das Kirchenschiff zu verzichten, sondern auch den Turm abzuspecken. Keine Haube, kein Glockenspiel, kein Zierrat, keine Kanonen und keine Säbel. Ein Fahrstuhlschacht ohne Glockenspiel. Ein Denkmal von nationaler Bedeutung für den Bund der Steuerzahler, ein Symbol konservativer Willkür und ein starkes Zeichen für undemokratischen Klüngel und Amtsmissbrauch. Es ist an der Zeit dem Spuk ein Ende zu bereiten und das Projekt offiziell zu beerdigen. Es wäre ein Segen für Alle.


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