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Der Jugendsender „Funk“: Öffentlich-Rechtliche und ihre Bemühungen um junges Publikum

von Harald Petzold

Der Winter 1990/91 war eisig. Das bekamen insbesondere wir jungen Leute zu spüren, die Nacht für Nacht mit Demonstrationen und Mahnwachen für den Erhalt des DDR-Jugendsenders „DT64“ im Freien ausharrten. Ein von der Bundesregierung eingesetzter Abwicklungskommissar für den DDR-Rundfunk namens Mühlfenzel hatte den Auftrag erhalten, alles zu beenden und abzuwickeln, was an die Zeiten vor 1989 hätte erinnern können. Und der Jugendsender gehörte dazu. Dann kam die Besetzung der Staatskanzlei in Potsdam, der Einsatz von Lothar Bisky für einen Dialog und gegen eine gewaltsame Räumung der Regierungszentrale, gefühlt end- und fruchtlose Debatten im Rundfunkrat des ORB und schließlich wenigstens das Zugeständnis, mit „fritz“ einen eigenen Radiosender für junge Leute erhalten und aufbauen zu wollen.

Inzwischen haben die Öffentlich-Rechtlichen erkannt, dass derartige Trostpflaster nicht ausreichen, um den „Publikumsabriss“ der letzten Jahre – die teilweise völlige Abwendung junger Leute von ARD, ZDF, Deutschlandradio und Dritten Programmen, mit Ausnahme von sportlichen Großereignissen sowie vielleicht dem ESC – wenigstens aufhalten zu können. Und so beschlossen die Länder-Ministerpräsidenten im vergangenen Jahr nach langen Debatten die Einführung eines gemeinsamen Jugendangebots von ARD und ZDF. Dieses heißt nun „FUNK“, wird ausschließlich digital angeboten und ist vor allem für online-fähige Endgeräte konzipiert. Mit derzeit 60 unterschiedlichen interaktiven Online-Formaten wird versucht, die 14-29- jährigen dort zu erreichen, wo sie sich vermehrt aufhalten und austauschen – auf Webseiten wie YouTube, Instagram, Facebook etc.. 

Zwar sollen auf lange Sicht die jungen User möglichst auf die eigenen Plattformen zurückgeholt werden, doch zunächst steht für das junge Team von FUNK mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren die Zurückgewinnung eines Publikums für öffentlich-rechtliche Inhalte im Vordergrund, das etwa 18% der gesamten Bevölkerung ausmacht. Schließlich gehört es zum Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft abzubilden. 

Von ein paar Kinderkrankheiten abgesehen, hat FUNK aktuell insbesondere mit einigen externen Problemen zu kämpfen. Wie so oft feuern die privaten Fernsehsender gegen das neue Angebot, sie fürchten eine vermeintliche Wettbewerbsverzerrung, obwohl diese selbst solche Inhalte gar nicht anbieten. Außerdem wird an dem gemeinsamen Jugendangebot von ARD und ZDF die Verkaufstaktik der Telekommunikationsanbieter in Deutschland schlagartig sichtbar.  Ein, zwei Videos auf dem Smartphone geschaut und die Datendrosselung macht sich bemerkbar. Die sogenannten Flatrates entpuppen sich als Mogelpackung. Für FUNK mit seinem vorrangig auf Video ausgerichteten Angebot ist das natürlich ein Problem, da sich der Medienkonsum bei jungen Menschen immer weiter auf die Smartphones verlagert. Dennoch scheint den Macher_innen von FUNK der Erfolg zu gelingen, auch wenn die absoluten Zuschauerzahlen für sie schwer ermittelbar sind, da Anbieter wie Facebook und Youtube die Herausgabe ihrer Daten verweigern. 

Es bleibt also zu hoffen, dass sie eine Chance erhalten und ein Angebot etablieren, das auch jungen Leuten wieder Mut und Lust auf öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen macht. Dazu sollten die potenziellen Nutzerinnen und Nutzer stärker einbezogen werden, nicht nur an Tagen der Offenen Tür.


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