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Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände

Mit 49 Maßnahmen ist in der zu Ende gehenden Legislaturperiode das Familien- und Kinderpolitische Programm „Gemeinsam für ein familien- und kinderfreundliches Brandenburg!“ umgesetzt worden.

Werden Sie sich für eine Fortschreibung des Programms auch in der nächsten Legislaturperiode einsetzen?

In der 94. Sitzung am 15. Mai 2014 befasste sich der Brandenburgische Landtag mit dem Bericht zum Familien- und Kinderpolitischen Programm. Einheitlich wurde der Sinnhaftigkeit des Programms sowie der darin enthaltenen Maßnahmen zugestimmt. Der Kinder- und Jugendpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE betonte dieses nochmal in aller Deutlichkeit und ging auf drei der insgesamt 49 Maßnahmen gezielter ein. So stellte er den großen Erfolg des Projektes „Klasse Musik“ aus dem Bereich „Gute Bildung“ dar, schilderte die hohe Bedeutung der Servicestelle „Arbeitswelt und Elternzeit“, die sowohl Beschäftigten als auch Unternehmen beratend zur Verfügung steht und veranschaulichte die Wichtigkeit des „Netzwerk Gesunde Kinder“. Derweil gibt es 19 regionale Netzwerke an 39 Standorten, wobei der Bedarf noch lange nicht gedeckt wird.
Die Ergebnisse belegen deutlich, dass es den Kindern, Jugendlichen und Familien, die in den Genuss der Maßnahmen kommen, besser geht und dass es andererseits noch viel zu tun gibt, um den realen Bedarf an Hilfe, Beratung und Unterstützung zu decken.
Aus diesem Grund setzt sich DIE LINKE für die Weiterentwicklung des Familien- und Kinderpolitischen Programms, deren Verzahnung mit anderen einschlägigen Programmen und Maßnahmenpaketen sowie für die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen ein.

Welche Maßnahmen aus dem letzten Programm werden Sie für die Nachhaltigkeit besonders befördern?

Als besonders nachhaltig ist zu bewerten, was soziale Ungleichheit und Ausgrenzung verhindert. Dazu zählen mitunter eine chancengleiche Bildung sowie eine gute Betreuung. Es braucht gute gesellschaftliche Rahmenbedingungen und optimale familienergänzende Infrastrukturen, damit Kinder gesund aufwachsen können und Eltern die Unterstützung finden, die sie in allen Fragen des täglichen Lebens benötigen.
Das „Netzwerk gesunde Kinder“ ist hier einer von vielen wichtigen Bausteinen, der dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgt und ihm gerecht wird. Die Weiterentwicklung einer solch wichtigen Maßnahme ist daher aus Sicht der LINKEN zwingend erforderlich.

Mit welchen neuen Inhalten werden Sie sich einbringen, um den für Familien so notwendigen Dreiklang umzusetzen?

DIE LINKE ist sich der großen Bedeutung des Dreiklangs aus Zeitpolitik, finanzieller Transferpolitik und Infrastrukturpolitik bewusst. Familien brauchen ein familienfreundliches Umfeld, benötigen finanzielle Unterstützung und in erster Linie Zeit füreinander. Optimale Zeitoptionen, passgenaue Infrastrukturangebote sowie ein gesicherter Geldtransfer sind daher die Kernelemente einer gesicherten familiären Existenz.
Letztlich ist dies eine übergreifende Querschnittsaufgabe, die alle Politikfelder betrifft. Zur Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen, müssen alle Politikbereiche ihren Beitrag leisten. Ein gutes und sicheres Familienleben erfordert vor allem Verfügungsmöglichkeiten über die vorhandene Zeit: für die Bewältigung und Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Familie, Bildung und kulturellem Austausch, von politischer Einmischung, von Erholung und Zeit für sich selbst. Daher braucht es in erster Linie Arbeitszeitmodelle, die es Müttern und Vätern ermöglichen, ihren Beruf mit Familie und Privatleben zu vereinbaren; Arbeitszeit ist vorrangig so zu gestalten, dass alle die Möglichkeit haben Beruf, Familie, Freizeit und Engagement in ihren Alltag zu integrieren. Arbeitszeiten müssen sich flexibel an den Lebenssituationen der Menschen ausrichten und nicht umgekehrt.
Besonderes Augenmerk legt DIE LINKE auf die Unterstützung von Müttern, insbesondere alleinerziehenden Müttern, die aufgrund ihrer besonderen Problemlagen spezieller Hilfeangebote, wie immaterieller und materieller Unterstützung während der Ausbildung oder beim Start in das Berufsleben bedürfen. Ebenso setzt sich DIE LINKE für die konsequente Umsetzung von Konzepten wie „familienfreundliche Hochschule“ ein. Weitere wichtige Maßnahmen, die gerade einkommensschwachen Familien zur Verfügung gestellt werden müssen, sind der Schulsozialfonds, das Sozialticket sowie kostenfreie und unkomplizierte Teilhabeangebote. Dafür setzt sich DIE LINKE ein. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Familienverbänden sowie weiteren wichtigen Akteuren ist dazu zwingend erforderlich. DIE LINKE wird die guten Netzwerke daher weiter ausbauen und pflegen.

Was unternehmen Sie um für Familien in allen Kommunen des Landes Brandenburg gleichwertige Lebensverhältnisse und Chancengerechtigkeit zu schaffen?

Zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse und Chancengerechtigkeit bedarf es eines soziokulturellen und infrastrukturellen Umfelds, das alle - gerade aber auch Frauen - nicht nur eine berufliche und familiäre Perspektive eröffnet, sondern ein generell attraktives, freies und selbstbestimmtes Leben ermöglicht und dadurch neue gesellschaftliche Entwicklungspotenziale freisetzt. Die Entwicklung in den ländlichen Räumen erweist sich dabei als besondere Herausforderung. Durch den Rückbau von Strukturen sind leider besonders die Frauen und deren Familien betroffen - z.B. durch eingeschränkte Mobilität. Ihnen ist deshalb besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Im Land Brandenburg sind zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse unter anderem die einschlägigen Programme wie das Arbeitsmarktpolitische Programm, das Gleichstellungspolitische Rahmenprogramm und das Familien- und Kinderpolitischen Programm zu evaluieren, bedarfsgerecht anzupassen, finanziell zu untersetzen und aufeinander abzustimmen.
Auch sind in diesem Bereich viele Änderungen auf bundespolitischer Ebene nötig, für die sich DIE LINKE mit aller Kraft einsetzt:

  1. die Erleichterung der Rückkehr in den Beruf im Anschluss an die Elternzeit
  2. die Verbesserung familienfreundlicherer Arbeitszeiten und
  3. die Verbesserung des Kündigungsschutzes nach der Elternzeit und in der Erziehungsphase.

Welche Maßnahmen halten Sie für notwendig, damit Familien sich den Herausforderungen der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familienleben stellen können?

Dabei spielen die drei Faktoren Zeit, Geld und Infrastruktur eine entscheidende Rolle. Letztlich ist von ihnen mitunter abhängig, ob sich eine Familie den Herausforderungen stellen möchte oder nicht. Daher ist es nicht nur notwendig mit flexiblen Arbeitszeiten den Familien entgegenzukommen und Anreize zu schaffen, sondern in erster Linie ist auch für gleichberechtigte finanzielle Bedingungen zu sorgen. So setzt sich DIE LINKE dafür ein, dass Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen. Dieses muss eine Selbstverständlichkeit sein; schlechtere Bezahlung von Frauen muss aufhören! Auch sie dürfen nicht einem Armutsrisiko ausgesetzt werden. Zudem muss das Kita-Angebot entsprechend der jeweiligen demografischen Entwicklung und den einzelnen Regionen und in seiner Struktur bedarfsgerecht erhalten werden. Beratungsangebote wie die Servicestelle „Arbeitswelt und Elternzeit“ müssen ausgebaut kostenlose Teilhabeangebote geschaffen werden. Brandenburg muss ein kinder- und familienfreundliches Land werden, indem Familien ohne Angst ihre Zukunft planen können.

Was wollen Sie unternehmen, um das Armutsrisiko von Familien und Altersarmut wirkungsvoll zu bekämpfen?

In erster Linie stellt die Kinderarmut noch immer ein besonders großes Problem dar. Kinder und junge Menschen unter 25 Jahren gehören zu den am meisten von Armut gefährdeten Altersgruppen in Brandenburg. Knapp 27 Prozent der unter 3-Jährigen leben in Familien mit Hartz-IV-Leistungen. Dabei gibt es starke regionale Unterschiede: Im Landkreis Uckermark und in Frankfurt (Oder) liegt der Anteil bei über 40 Prozent! Das ist ein Zustand, mit dem sich die Gesellschaft nicht abfinden darf. Die Forderung der LINKEN nach einer armutsfesten Grundsicherung für Kinder bleibt aktuell!
Kinderarmut ist kein Problem, das isoliert gelöst werden kann. Notwendig sind Konzepte und Maßnahmen, die den Familien als Ganzes zu Gute kommen. Nachteile für Kinder und Jugendliche aus armen Familien müssen durch staatliche und gesellschaftliche Anstrengungen so weit wie nur möglich kompensiert werden – durch eine entsprechende Regelung bei der Schülerbeförderung, durch gesundes Mittagessen in den Bildungseinrichtungen, durch finanzielle Zuschüsse mit geringen Zugangshürden. Der Schulsozialfond soll allen Kindern mit Unterstützungsbedarf unkompliziert offen stehen. Über die Förderungsmöglichkeiten sollen Eltern und ihre Kinder umfassend informiert werden.
Ein gutes Mittel gegen die Folgen von Kinderarmut sind kostenfreie und unkomplizierte Teilhabeangebote in den Bereichen Sport, Freizeit und Bildung, die von den Kindern selbständig wahrgenommen werden können. Dies gilt auch für das Schulessen oder Klassenfahrten sowie organisierte Kino- oder Theaterbesuche. Ein Instrument, das den Bedürfnissen aller Menschen in Armut gerecht wird, sind „Sozialtickets“ für einkommensschwache Menschen, die ein breites Spektrum an Bildungs-, Kultur-, Freizeit- und Mobilitätsangeboten erschließen. Wir wollen die Sozialtickets für Kinder und Familien in diesem Sinne ausbauen.
Im Falle von Altersarmut ist immer wieder erkennbar, dass sie Folge von gebrochenen Erwerbsbiografien, Teilzeitbeschäftigung oder Lohnungleichheit ist. Hier sind Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf von großer Bedeutung, die die Teilhabe am Arbeitsleben erst ermöglichen. Zudem sind die strikte Umsetzung des Mindestlohns, die Aufwertung frauentypischer Berufe sowie die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern erforderlich. Auf bundespolitischer Ebene sind zwingend Änderungen in der Rentenpolitik vonnöten, um die Altersarmut von Frauen wirksam zu bekämpfen, so z.B. gesetzliche Erwerbstätigen-Pflichtversicherung, Anrechnung von einheitlich drei Jahren Kindererziehungszeit, Angleichung Rentenwert Ost an Rentenwert West, solidarische Mindestrente in Höhe der Armutsgrenze).
Grundlage für alle weiteren Schritt und Maßnahmen ist eine realistische und fundierte Analyse der Situation, wie beispielsweise im Bericht des Landes „Lebenslagen in Brandenburg – Chancen gegen Armut“. Darauf aufbauend hat dann die Fortschreibung verschiedener dieses Thema betreffende Programme, wie des Familien- und Kinderpolitische Programm, Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms bis hin zum Seniorenpolitischen Maßnahmenpaket zu erfolgen. Sie müssen stetig evaluiert, weiterentwickelt und aufeinander abgestimmt sein.

Mit welchen nachhaltigen Initiativen wollen Sie die strukturell benachteiligte Lebenssituation von alleinerziehenden Müttern und Vätern und ihren Kindern verbessern?

Ein wesentlicher Aspekt in der Bewältigung struktureller Benachteiligung liegt im Bereich Arbeit. Hier gilt es in erster Linie, sich für Lohngleichheit einzusetzen, damit gerade Frauen sich gleichberechtigt eine Existenz aufbauen können.
Wir wollen generell eine emanzipatorische und zukunftsweisende Familienpolitik, die ein planbares Leben ohne Zukunftsangst ermöglicht. Für junge Mütter, erst recht für Alleinerziehende, werden wir konkret zielgerichtete materielle und immaterielle Unterstützung sichern, wenn es um den Ausbildungsabschluss bzw. den Start in die Berufstätigkeit geht.
Zudem sind Beratungsangebote auszubauen, das Kita-Angebot bedarfsgerecht zu erhalten sowie verbesserte Bedingungen in der Arbeitswelt zu schaffen.

Welche konkreten Schritte werden Sie ergreifen, um die Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung der Kindereinrichtungen, Schulen und in der Ausbildung zu verbessern?

Kita: Die LINKE will die frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung durch folgende Maßnahmen verbessern:

  • Hinsichtlich der Betreuungsquote nimmt Brandenburg im bundesweiten Vergleich eine Spitzenposition ein: 2013 lag sie für Kinder unter 3 Jahren bei 56 % und für Kinder über 3 Jahren bei 96 % - diese soll weiter ausgebaut werden.
  • Der Personalschlüssel soll weiter verbessert werden: auf 1 zu 5 bei den 1- bis 3-Jährigen und 1 zu 11 bei den 3- bis 6-Jährigen
  • Die Kita-LeiterInnen sollen mehr Zeit für pädagogische Arbeit erhalten (Leitungsfreistellung).
  • Es sollen 1.500 Erzieherinnen und Erzieher eingestellt werden.
  • Die Qualifikation der Erzieherinnen und Erzieher soll durch spezialisierte Bildungsangebote auf Hochschulebene verbessert werden.
  • Das Kita-Angebot soll entsprechend der jeweiligen demografischen Entwicklung in den einzelnen Regionen bedarfsgerecht erhalten werden.
  • Kitas müssen bei der Entwicklung zu inklusiven Einrichtungen unterstützt werden.

Schule: Die schulische Ausbildung soll durch folgende Schritte verbessert werden:

  • Schule muss verlässlicher, die Unterrichtsqualität erhöht, der Unterrichtsausfall minimiert werden.
  • Dazu bedarf es einer besseren Personalausstattung - Einstellung von 4.400 Lehrkräften, davon 3.600 Ersatz- und 800 zusätzliche Einstellungen.
  • Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss soll weiter gesenkt werden durch verstärkte individuelle Förderung.
  • Schulstandorte, vorrangig der Grundschulstandorte im ländlichen Raum, sollen erhalten werden.
  • Weitere Schritte zu längerem gemeinsamen Lernen sollen unternommen werden, wie: Erhöhung der Durchlässigkeit der bestehenden Schulformen, Stärkung der Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe, Schaffung von mehr Ganztagsschulen, mehr SchulsozialarbeiterInnen, InklusionspädagogInnen und mehr Schulpsychologinnen an die Schulen sowie Gestaltung der Lehrerausbildung mit hohen Praxisanteilen und der Befähigung zum Umgang mit Vielfalt.

Langfristiges bildungspolitisches Ziel der LINKEN ist und bleibt eine Schule für alle, die sogenannte Gemeinschaftsschule, für die es gilt, in der Öffentlichkeit die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, denn eine solche Schule kann nur gelingen und gedeihen, wenn sie von unten wächst und den nötigen Rückhalt bei allen Beteiligten hat.

Ausbildung:
Die Ausbildung soll durch folgende Schritte verbessert werden:

  • Die Abbrecherquoten in der Ausbildung müssen gesenkt werden – dazu ist gute, rechtzeitige und systematische Berufsorientierung von größter Bedeutung.
  • Der Praxisbezug von Schule muss verstärkt werden - also Wissenserwerb und praktisch-produktive Anwendung müssen stärker miteinander verknüpft werden.
  • Auch die praktische Einführung in die regionale Wirtschaft sollte wieder in die Schulen einziehen. Dies stärkt die lebensweltliche Kompetenz der SchülerInnen und bereitet sie auf das Berufsleben vor. In der Kooperation mit Handwerkskammern gibt es dafür bereits gute Erfahrungen. Daher sollten von den Schulen bestehende Möglichkeiten genutzt werden, durch die Jugendliche praktische, berufsrelevante Erfahrungen sammeln können. (Z.B. durch Gründung von Schülerfirmen; das Projekt „Schule-Wirtschaft“ ).
  • Durch Kooperationsbeziehungen von Schule und Wirtschaft können sich beide gegenseitig unterstützen: Die SchülerInnen lernen die Arbeitswelt kennen und die Unternehmen können frühzeitig vermitteln, welche Anforderungen sie an Auszubildende und Beschäftigte stellen. Auch sollte es eine Kooperation zwischen Schulen und IHK, Handwerkskammern und ausbildenden Betrieben geben, um Jugendliche und Eltern rechtzeitig mit den Ausbildungsmöglichkeiten bekannt zu machen.
  • Zu unseren Forderungen gehört zudem die Gebührenfreiheit der beruflichen Ausbildung. Eine elternunabhängige, ausreichende staatliche Ausbildungsfinanzierung und eine angemessene Ausbildungsvergütung in beruflichen Ausbildungen schafft Anreize für und ermöglicht und befördert Ausbildungsaufnahme sowie einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss.
  • Um den Bedarf an qualifizierten Fachkräften künftig zu sichern, plädiert die LINKE für die Einführung einer Berufsausbildung mit Abitur, die den Jugendlichen eine Vielzahl beruflicher wie akademischer Chancen eröffnet.
  • Weiterhin wollen wir auch in ländlichen Regionen die Attraktivität von Berufsausbildung sicherstellen: Standorte von Oberstufenzentren und Berufsschulen wollen wir mindestens so lange halten, wie eine ausreichende Schülerzahl vorhanden ist.
  • Doch auch die Unternehmen sehen wir in der Pflicht: Um ausbildungswillige Jugendliche im Land zu halten, müssen die Unternehmen und Betriebe attraktive Ausbildungsbedingungen bereitstellen. Die Sicherung der betrieblichen Ausbildungsbasis und eine gute Qualität der Ausbildung stehen auch im Mittelpunkt der Landes- Ausbildungsrichtlinie. Um Jugendliche und Erwerbsfähige im Land zu halten bzw. zurückzuholen sind weiterhin für die Zeit nach der Ausbildung Chancen auf Übernahme sowie interessante und 'Gute Arbeit' anzubieten, d.h. sichere, sozialversicherungspflichtige, gesundheitsverträgliche, familienfreundliche und existenzsichernde Beschäftigungsverhältnisse, in denen Weiterbildung und Mitbestimmung ermöglicht wird.

Welche Schritte wollen Sie ergreifen, um Infrastrukturen in Stadt und Land auszubauen, um die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu verbessern?

DIE LINKE will ein kommunales Investitionsprogramm von insgesamt 500 Millionen Euro für Infrastrukturaufgaben auflegen.
Für die gesamte Infrastruktur gilt es, angepasste Entwicklungskonzepte für den Berlinnahen Raum ebenso wie für die ländlichen Entwicklungsräume zu finden. Dazu gibt es schon gute Ansätze, die durch Bundes- und EU-Mittel weiter verstärkt werden müssen. Lokale Akteure sind hier ebenso gefragt wie die Gewinnung privater Initiativen.
DIE LINKE macht sich auch für den Verkehr stark, z.B. für die Erhöhung der Regionalisierungsmittel des Bundes. Notwendig ist insgesamt eine Erhöhung der Bundesmittel für den ÖPNV/SPNV sowie für dessen bessere Vernetzung. Das Liniennetz des Regionalverkehrs muss auf den Prüfstand gestellt werden: bessere Anschlusslösungen müssen realisiert werden, Wartezeiten bei Anschlüssen bzw. auf der Strecke vermieden und Taktzeiten, insbesondere im Berufsverkehr, verdichtet werden. Wir werden dafür werben, dass an wenig genutzten Haltepunkten mehr Fahrgäste ein- und aussteigen, um deren Existenz zu sichern.
In den kommenden Landeshaushalten soll sich zudem die Finanzierungsgrundlage für die Landesstraßen erhöhen. Schwerpunkt soll die Sanierung sein. Dazu gilt es, einen langfristigen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten.
Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung führen zu veränderten Bedarfen und damit zu großen Herausforderungen, die nur gemeinsam im Verbund von kommunalen Aufgabenträgern, den Verkehrsunternehmen und dem Land gelöst werden können. In Regionen mit stark sinkenden Einwohnerzahlen sind infrastrukturell sowie verkehrstechnisch alternative Angebote zu schaffen, wie z. B. mobile Angebotsstrukturen, Rufbusse u.a. Dafür setzt sich DIE LINKE ein.

Was werden Sie tun, damit für das Gelingen familiären Zusammenlebens ausreichender und finanzierbarer Wohnraum zur Verfügung steht?

Mieterinnen und Mieter müssen durch den Ausgleich von Vermieter- und Mieterinteressen geschützt werden. Dazu bleibt die Fortsetzung der Bundesfinanzierung bei der Wohnraumförderung Voraussetzung. Wir werden die Wohnraumförderung im Land fortsetzen und die Kofinanzierung für entsprechende Bundesprogramme sicherstellen. Wo dies bundesrechtlich ermöglicht wurde, werden wir eine Mietpreisbindung einführen.
Wir haben das Landeswohnungsbauvermögen wieder eröffnet. Die rückzahlpflichtigen Darlehen aus diesem Fonds werden wir als nachhaltiges Finanzierungsinstrument weiter nutzen, um den Mietwohnungsbau, aber auch das Wohneigentum zu fördern. Die Verlängerung von Mietpreis- und Belegungsbindungen ist ein Instrument, um auf die angespannten Wohnungsmärkte zu reagieren.
Die energetische Gebäudesanierung muss öffentlich gefördert werden, damit sie nicht einseitig zu Lasten der Mieterinnen und Mieter geht.
Die entsprechende Bundesförderung ist bedarfsgerecht aufzustocken (5 Milliarden). Die Mieterinnen und Mieter sollen nach baulichen Eingriffen nicht mehr Miete zahlen müssen, als sie durch diese Maßnahmen einsparen.

Welche Ideen und Vorstellungen haben Sie für die Weiterentwicklung der Kooperationen zwischen Eltern, Nachbarschaft, freiwilligen und professionellen Angeboten?

DIE LINKE steht für eine emanzipatorische Familienpolitik. Gebraucht wird dabei die Beteiligung vieler Partnerinnen und Partner. Weder auf professionelle Angebote noch auf das Ehrenamt kann verzichtet werden. Das Ehrenamt ist zu stärken, es darf aber nicht missbraucht oder ausgenutzt werden. Leider ist immer häufiger zu beobachten, dass dem Ehrenamt, um die öffentlichen Haushalte zu entlasten, mehr und mehr Aufgaben zugeschoben werden. Dies halten wir für falsch. Professionelle Angebote und Ehrenamt können nicht gegeneinander ausgetauscht werden.

Welche Bedeutung messen Sie der Familienbildung, der Familienberatung und der Familienerholung als wichtige präventive Bereiche der Familienförderung bei?

Familien sind heutzutage vielfältigen Belastungen in Beruf und Alltag ausgesetzt, was ein breites Spektrum an Beratungs- und Bildungsangeboten erfordert, um die Kompetenzen der Familien zu stärken. Einerseits bietet eine bestehende Angebotsvielfalt schnelle Hilfe und Unterstützung; andererseits erschwert ihre große Zahl die gezielte Suche nach dem tatsächlich benötigten Angebot. Hier muss ein Gesamtlösungskonzept her, das differenzierte und aufeinander aufbauende Beratungs- und Hilfeangebote zusammenfasst.
Wir möchten gerade die präventive Wirkung, die Familienbildung, Familienberatung und Familienerholung haben, stärken. Angebote müssen niedrigschwellig sein und dort vorgehalten werden, wo Familien mit ihren Kindern hingehen, also im Umfeld von Kitas, Schulen etc.
Die Familienbildung hat in den letzten Jahren an großer Bedeutung gewonnen. Die hohe Nachfrage nach dem „Ratgeber für Familien“, dem „Familienpass Brandenburg“ oder dem Begrüßungspaket mit den kostenfreien Elternbriefen zeigt dies deutlich. Darüber hinaus bieten die „Eltern-Kind-Zentren“ eine vielfältige Angebotspalette zur Elternbildung. Inzwischen haben die Ressorts der Landesregierung - in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Brandenburg, Kindertagesstätten und Schulen, Kliniken, Unternehmen, Familien und Sponsoren - beispielhafte (niedrigschwellige) Informations- und Beratungsangebote für die gesunde frühkindliche Entwicklung und zur Stärkung der Elternkompetenzen entwickelt. Gleichzeitig ist es damit gelungen, die Öffentlichkeit und Familien für diese Thematik stärker zu sensibilisieren. Hier geht es vor allem auch um die Stärkung der Erziehungsfähigkeit von Familien.
Ein wichtiges Kriterium sind dabei die Wohnortnähe sowie die Niedrigschwelligkeit der Angebote, die sowohl Gesprächs-, Beteiligungs- und Unterstützungsangebote umfassen muss. In der Familie werden die entscheidenden Wertorientierungen vorgelebt und vermittelt.
DIE LINKE setzt sich generell dafür ein, dass jeder Bürgerin und jedem Bürger im Land Brandenburg unabhängig von seiner individuellen Lage ein breites Spektrum an Beratungs- und Bildungsangeboten zur Verfügung steht.
Bezüglich der Familienbildung ist das Land Brandenburg auf einem guten Weg. Es werden insbesondere die im Familien- und Kinderpolitischen Programm der Landesregierung enthaltenen Maßnahmen der Familienbildung und andere Unterstützungsangebote für Familien gefördert. Allein für Einzelmaßnahmen standen im Jahr 2012 Landesmittel in Höhe von mehr als 500.000 Euro bereit (ohne Netzwerk Gesunde Kinder, Eltern-Kind-Gruppen und andere Strukturförderungen).
Zudem gibt es das Netzwerk Gesunde Kinder, zahlreiche Eltern-Kind-Gruppen, Eltern-Kind-Zentren, Lokale Bündnisse für Familie, Mehrgenerationenhäuser, Volkshochschulen sowie Familienverbände, die die wichtige Arbeit der Familienbildung tragen. DIE LINKE unterstützt auch in der kommenden Legislaturperiode diese wichtigen Organisationen. Eine gute Familienbildung im Rahmen guter Familienpolitik bedeutet Förderung sozialer Kontakte und Erfahrungsaustausch, Förderung der Erziehungskompetenz und Stärkung individueller Kompetenzen und Handlungsfähigkeiten.
Im Land Brandenburg ist die rot-rote Landesregierung in diesem Bereich nicht untätig gewesen. Wissenschaftlich begleitet (26.06.2012: Bericht: „Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen und Materialien für die Entwicklung eines konsistenten Modell der Familienbildung im Land Brandenburg“, Prof. Uta Meier-Gräwe, Uni- Gießen) gab Workshops. Mehrere Mal befasste sich der Landtag mit dem Thema, unter anderem mit der „Diskussionsgrundlage für die Weiterentwicklung der Familienbildung im Land Brandenburg“, welche mit seinen Leitlinien und Handlungsempfehlungen in der kommenden Legislaturperiode zu einem Gesamtkonzept weiterzuentwickeln ist.
Zahlreiche gute Beispiele belegen die Bedeutung der Familienbildung. So wurde im Landkreis Elbe-Elster u.a. ein Katalog Familienbildung erstellt und im Landkreis Barnim innovative Konzepte für eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Elternschaft erarbeitet. Zudem wurden wieder Zuschüsse für Familienreisen an einkommensschwache Familien gezahlt (2011: 292.000 €, 2012: 245.000 €, 2013: 200.000 €) sowie die Informationsveranstaltungsreihe „Auskommen mit dem Einkommen“ als Präventionsmaßnahme im Rahmen der Familienbildung (Spartipps für Familien und Seminare) angeboten.
DIE LINKE misst der Familienbildung, der Familienberatung und der Familienerholung eine hohe Bedeutung zu. Dieses gilt vor allem für einkommensschwache Familien und Familien, die schlecht zu erreichen sind.

Wie wollen Sie den Ausbau von bezahlbaren Angeboten der Familienbildung unterstützen und welche Schwerpunkte setzen Sie dabei?

Eine wichtige Aufgabe sehen wir darin, mit Bildungsangeboten diejenigen Familien zu erreichen, die bisher nur schwer Zugang finden. Wir sehen dafür z.B. in den Eltern-Kind-Zentren einen guten Ansatz.
In erster Linie ist es nun wichtig, die „Diskussionsgrundlage für die Weiterentwicklung der Familienbildung im Land Brandenburg“ zu einem guten Gesamtlösungskonzept weiterzuentwickeln, das differenzierte und aufeinander aufbauende Beratungs- und Hilfeangebote beinhaltet. Auf Erfahrungen der Modellregionen Barnim und Elbe-Elster ist dabei zurückzugreifen. Hier sind die Möglichkeiten für eine Erweiterung von Beteiligungsformen erprobt worden mit dem Ziel, das bestehende Angebot der Familienbildung in diesem Sinne weiter zu verbessern. Die Einrichtung des Familienbildungsportals zur Bilanzierung, Bündelung und Verzahnung aller Angebote bietet im weiteren Prozess ebenso eine wichtige Grundlage. Eine wissenschaftliche Begleitung hat auch künftig zu erfolgen. Ziel muss die Entwicklung eines konsistenten Modells der Familienbildung sein.
Ein familienfreundliches Umfeld, gute Bildungsangebote und flächendeckende Netzwerkstrukturen als familiennahe Unterstützungssysteme bilden hierfür die Voraussetzungen.
Zu bedenken ist, dass regionale Besonderheiten regional unterschiedliche Voraussetzungen für eine flächendeckende Etablierung von Angebotsformen und -strukturen bedingen.
Grundlegend zeigte sich, dass der Lebensabschnitt der Jugend und die Zeit der Pubertät bei Fragen der Familienbildung noch zu wenig beleuchtet sind. Ebenso ist die Gruppe der älteren Menschen noch nicht ausreichend berücksichtigt. Hier müssen zunächst Lücken erkannt und geschlossen werden.
Daher setzt sich DIE LINKE zum einen für die Fortschreibung des Seniorenpolitischen Maßnahmenpaketes sowie des Familien- und Kinderpolitischen Programms ein, vor allem aber auch für die Schaffung gesetzlicher Regelungen für mehr Kinder- und Jugendbeteiligung. Hier spielen Initiativen, Vereine und Verbände eine besondere Rolle. DIE LINKE wird sich deshalb dafür einsetzen, dass deren wichtige Arbeit auch in Zukunft angemessen gefördert wird und Vereine wie Angebote sich weiter entwickeln können. Für die Begleitung der Träger sind zudem die Jugendämter personell und qualitativ entsprechend auszustatten.
DIE LINKE setzt sich weiterhin für den Erhalt des 510-Stellenprogramms in der Jugendarbeit ein. Wir schätzen die Arbeit der Beschäftigten und erkennen den Wert für das Zusammenleben in unserem Gemeinwesen.
Wir wollen, dass das Land Brandenburg zu einem noch familienfreundlicheren Land wird, in welchem alle Familien chancengleich und ohne Zukunftsangst gut leben können.