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Landesfachverband Medienbildung Brandenburg e.V.

1.Strukturelle Verankerung von Medienbildung in Jugendhilfeplanung und Jugendförderplänen

Junge Menschen, die in einer Gesellschaft leben, deren Kommunikation zunehmend durch neue, digitale Medien geprägt ist, müssen darin unterstützt werden, sich diejenigen Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, die zur Teilhabe an einer solchen Mediengesellschaft notwendig sind. Die Jugendarbeit bietet zur Förderung von Medienkompetenz ein besonders geeignetes Handlungsfeld, weil sie an den konkreten Interessen von jungen Menschen anknüpft, einem ganzheitlichen sozialen Bildungsbegriff und dem Beteiligungsgebot verpflichtet ist. Die Jugendarbeit verfügt über Methoden der medienpädagogischen Bildung, die der Entwicklung und den Nutzungsmöglichkeiten der Neuen Medien eher entsprechen als die auf Wissensvermittlung zentrierte Bildungspraxis im Schulbereich. Zahlreiche Jugendeinrichtungen nutzen das Internet, richten Internet- und Multimedia-Cafes ein, veranstalten Anwenderkurse und präsentieren ihre Arbeit auf Internetseiten.

Unbestritten ist, dass die Vermittlung von Medienkompetenz eine wichtige Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe von Jugendarbeit ist. Daher besteht hier ein großer Motivations-, Fort- und Weiterbildungsbedarf. Es muss gewährleistet werden, dass medienpädagogisches Grundwissen und medienpädagogische Methoden immanenter Bestandteil des Fachwissens einer sozialpädagogischen Fachkraft sein müssen. Der rasche Wandel und die Vielfalt der Anwendungsfelder lassen zusätzlich notwendig erscheinen, dass der Austausch unter Jugendarbeitern zu Fragen der Medienarbeit verbessert werden muss. Die Forderung, dass Jugendhilfeplanerinnen und -planer der Landkreise und kreisfreien Städte im Rahmen der Jugendhilfeplanung ein besonderes Augenmerk auf die regelmäßige fachliche Weiterbildung sozialpädagogischer und erzieherischer Fachkräfte bezüglich der Mediennutzung junger Menschen legen, unterstützen wir daher. Ebenso muss die Landesjugendbehörde die Umsetzung dieser Forderungen kontrollieren.

2. Medienbildung in die „510-er“ Richtlinie

Mit dem „Programm zur Förderung von Personalkosten von sozialpädagogischen Fachkräften in der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit“ unterstützt das Land die Landkreise und kreisfreien Städte. Für die Bewilligung der Zuwendungen müssen die Jugendämter eine Jugendhilfeplanung vorlegen, die eine Bestandsaufnahme der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit und eine Beschreibung der geplanten Angebote und Perspektiven der Angebotsentwicklung einschließt. Gleichzeitig sind sie verpflichtet, Jugendförderpläne zu erstellen, die jährlich den in der Jugendhilfeplanung festgestellten Jugendhilfebedarf und die dafür vorgesehenen Aufwendungen des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe auszuweisen haben. Anzustreben ist, dass medienpädagogisches Wissen bei der Bewilligung der Zuwendungen im Rahmen dieser Personalkostenförderung eine herausgehobene Rolle spielt. Jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt soll empfohlen werden, eine Stelle für medienpädagogische Beratung, Vernetzung, Qualifikation und Evaluation vorzuhalten.

3. Gesetzliche Verankerung von Medienbildung im SGB VIII

Mit der Förderung des 510-Stellenprgramms bzw. einer anzustrebenden Bindung der Förderung an die Medienbildung ist eine wichtige Grundlage für die Schaffung medienkompetenzfördernder Maßnahmen gelegt. Diese sind auch vor dem Hintergrund wichtig, dass DIE LINKE sich für mehr Kinder- und Jugendbeteiligung einsetzt, welche in einer medial ausgerichteten Welt zwingend auf neue Medien wie Internet, E-Government und Web 2.0-Angebote angewiesen ist. Die entsprechende Kompetenz zur Nutzung solcher Medien ist dazu unerlässlich. Daher wird im Zuge der Schaffung gesetzlich geregelter Kinder- und Jugendbeteiligung auch eine feste gesetzliche Regelung der Medienkomptenzförderung zu prüfen sein. Die Verankerung dieser im Rahmen des ersten Abschnitts „Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, erzieherischer Kinder- und Jugendschutz“ des Sozialgesetzbuch (SGB VIII) Achtes Buch Kinder- und Jugendhilfe kann dazu eine geeignete Möglichkeit sein, die es in einem breit angelegten Dialog mit allen Akteuren zu diskutieren gilt. Ein abschließender Meinungsbildungsprozess zu etwaigen gesetzlichen Regelungsbedarfen fand dazu noch nicht statt.

4. Landesweites Medienbildungs-Netzwerk strukturell fördern

In Brandenburg haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Initiativen und Netzwerke gebildet, die sich mit den Neuen Medien beschäftigen. Darin sehen wir eine erfreuliche wie auch notwendige Entwicklung angesichts der zunehmenden Bedeutung des Internets, der zunehmenden Medienvielfalt und der rasanten Medienentwicklung. Eine Vernetzung dieser Initiativen, um Synergieeffekte zu erzielen, halten wir für dringend notwendig. Als erste Schritte auf diesem Weg werten wir die Kooperation zwischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und Medienanstalt Berlin-Brandenburg sowie mit der LAG Multimedia Brandenburg mit dem Netzwerkportal www.medienkompetenz-brandenburg.de. Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind zahlreiche Projekte und Maßnahmen. Es gilt die Strukturen der Medienkompetenzförderung im Land weiter zu stärken und auszubauen. Netzwerktagungen und der Förderpreis „Medienkompetenz stärkt Brandenburg“ sind wichtige Signale, die es weiter zu entwickeln und möglichst zu institutionalisieren gilt. Ein landeszentrales Unterstützungsangebot halten wir daher für sinnvoll.

5. Medienkompetenzförderung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg intensivieren

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) ist durch den Medienstaatsvertrag der Länder Berlin und Brandenburg im Rahmen ihrer Aufgabenbeschreibung angehalten, Medienkompetenz im Rahmen einer Anteils-Projektfinanzierung zu fördern. Das Fördervolumen für Projekte in Brandenburg betrug in den letzten Jahren rund 100.000 Euro, die überwiegend kleinteilig vergeben wurden. Im Gegensatz zum Staat mit einem flächendeckenden (Medien)Bildungsauftrag sollte die mabb in Zukunft überwiegend landesweite medienpädagogische Projekte mit Signalwirkung fördern, die Impulsgeber für den pädagogischen Praxistransfer im Land sein können. In die Projektförderung sollte ein nachprüfbarer Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt werden. Wir fordern die Staatskanzlei von Brandenburg auf, im Zuge der Verhandlungen über die nächste Novelle des Medienstaatsvertrages darauf hinzuwirken, die Ausrichtung des Förderauftrages im o.g. Sinne anzupassen sowie einen festen Anteil der Einnahmen aus der Rundfunkabgabe für die Förderung von Medienkompetenz aufzuwenden, mindestens jedoch in einem Volumen von 250.000 Euro p.a. für Brandenburg. Die Art und Weise der Förderung sollte dabei deutlich flexibilisiert werden und den oftmals fehlenden Eigenmitteln der Antragsteller Rechnung tragen.

Die Dynamik der Entwicklungen im Mediensektor ist immens und stellt die Akteure vor ständig neue Herausforderungen. Der Koordinierungsaufwand insbesondere in einem Flächenland wie Brandenburg ist erheblich. Medienkompetenz betrifft Menschen im ländlichen Raum ebenso wie die Bevölkerung in städtisch geprägten Regionen. In einer sich ständig weiterentwickelnden Breite medialer Möglichkeiten ist ein zielgerichteter und reflektierter Umgang mit den Medien erforderlich. Umfassende Medienkompetenz ist für DIE LINKE somit eine entscheidende Schlüsselqualifikation und eine essenzielle Voraussetzung für ein selbst- und verantwortungsbewusstes Agieren in einer mediatisierten Welt. Die Aufgabe der Stärkung von Medienkompetenz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Auf Initiative der Linksfraktion im Landtag Brandenburg wurde im Dezember 2010 der Entschließungsantrag Stärkung der Medienkompetenz beschlossen (vgl.  Landtagsdrucksache 5/2560(ND)-B). Auf Grundlage des Landtagsbeschlusses  wurde zwischen  dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und der mabb eine Rahmenvereinbarung geschlossen. Die mabb  fördert  aktuell 25 Medienkompetenzprojekte. Diese haben schon heute teilweise Signalwirkung. Trotzdem ist es leider so, dass die Förderung der mabb bisher sehr berlinorientiert bzw. berlinzentriert ist.

DIE LINKE in Brandenburg wird sich dafür einsetzen, dass die Förderung der mabb flexibler und stärker die Anforderungen des Flächenlandes Brandenburg berücksichtigt. Inwieweit dabei ein Fördervolumen für Brandenburg von 250.000 € p.a. festgeschrieben werden kann, bleibt abzuwarten. Wir setzten uns auf jeden Fall dafür ein, dass die mabb wesentlich mehr Mittel für die Medienkompetenzförderung einsetzt als bisher. 

6. Prüfungsrelevantes Curriculum Medienbildung für das Lehramt und Berufe in der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung bzw. -erziehung

Schulische Medienbildung  wird mittlerweile als dauerhafter pädagogisch strukturierter und begleiteter Prozess der konstruktiven und kritischen Auseinandersetzung mit der Medienwelt verstanden. Ihr Ziel ist der Erwerb und die Erweiterung von Medienkompetenz.  Dazu gehören Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein sachgerechtes, selbstbestimmtes, kreatives und sozialverantwortliches Handeln in der medial geprägten Lebenswelt ermöglichen.  Sie umfasst auch die Fähigkeit, sich verantwortungsvoll in der virtuellen Welt zu bewegen und neben den Chancen auch die Risiken und Gefahren von digitalen Prozessen zu erkennen. Dazu werden Lehrkräfte benötigt, die mit den Medien und Medientechnologien kompetent und didaktisch reflektiert umgehen können. Für die Vermittlung von Medienbildung benötigen Lehrkräfte also sowohl eigene Medienkompetenz als auch medienpädagogische Kompetenzen. Sie müssen in der Lage sein, Medienerfahrungen von Kindern und Jugendlichen im Unterricht zum Thema zu machen, Medienangebote zu analysieren und umfassend darüber zu reflektieren, gestalterische und kreative Prozesse mit Medien zu unterstützen und mit Schülerinnen und Schülern über Medienwirkung zu sprechen.

Daher muss Medienbildung sowohl in den Bildungswissenschaften als auch in der fachbezogenen Lehrerausbildung der ersten und zweiten Phase ausreichend und verbindlich verankert werden. Das muss unserer Meinung nach in den Prüfungsordnungen verpflichtend verankert werden. Dazu bedarf es keiner Gesetzesänderung.

Außerdem müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die grundlegende Ausbildung für Lehrkräfte fortzuführen und zu ergänzen durch entsprechende bedarfsgerechte Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote, in denen Medienkompetenz und medienpädagogische Kompetenzen für bestimmte Anwendungssituationen und Aufgabenstellungen vermittelt und erworben werden können.

Das seit Oktober 2013 an der Universität Potsdam für ein Jahr laufende EFRE-Projekt zur Medienbildung in der LehrerInnenbildung muss verstetigt werden. Ziel des Projektes ist es, den Einsatz von digitalen Medien in den Lehramtsstudiengängen der Universität zu fördern und nachhaltig zu prägen. Im Rahmen des Projektes werden Ideen aus über 20 Fachbereichen unterstützt, die den Einsatz digitaler Medien in den Curricula der Lehramtsstudiengänge vorsehen. Gleichzeitig werden Dozentinnen und Dozenten darin qualifiziert, diese Medien in ihren Veranstaltungen sinnvoll anzuwenden und somit die Studierenden in den Lehramtsstudiengängen mit Szenarien und Möglichkeiten im Bereich von Studium und Schule vertraut zu machen.

7. Jugendmedienschutz auf der Höhe der Zeit

Für den gesetzlichen Jugendmedienschutz ist eine Novellierung notwendig, welche die aktuellen gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen berücksichtigt. Die weiter fortschreitende Konvergenz der Medien macht eine Vereinheitlichung der gesetzlichen Bestimmungen im Jugendschutzgesetz (JuSchG) und dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) notwendig. Das Land Brandenburg ist gefordert, eine aktive Rolle in der Diskussion um gesetzliche Neuregelungen zwischen Bund und Ländern zu übernehmen.

Der erzieherische Jugendmedienschutz hat das Ziel, Kinder und Jugendliche bei der Nutzung digitaler Medien zu stärken, um Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Dies kann nur wirksam gelingen, wenn in Angeboten für junge Menschen und deren Eltern ein entsprechendes Bewusstsein geschaffen wird. Deshalb sind die bereits bestehenden Angebote der Medienerziehung für Kinder und Jugendliche in schulischer und außerschulischer Bildung auszubauen und dabei besonders Ansätze der Peer-to-Peer-Education zu entwickeln.

Eltern werden in der digitalen Mediengesellschaft mit zunehmenden Anforderungen konfrontiert. Viele Eltern sind unsicher, wie der Umgang mit Medien in der Familie gestaltet werden kann. Deshalb ist das Angebot der Eltern-Medien-Beratung im Land Brandenburg fachlich und konzeptionell ständig weiter zu entwickeln, besonders die Angebote der medienpädagogischen Elternveranstaltungen und deren fachliche Koordination ist dauerhaft zu sichern und flächendeckend auszubauen.

Wir brauchen einen zeitgemäßen Jugendmedienschutz. Der Schwerpunkt eines Jugendmedienschutzstaatsvertrages muss aus unserer Sicht in der Aufklärung und der Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit Medien liegen. Gescheitert ist der Jugendmedienschutzstaatsvertrag 2010 auch an der Untauglichkeit der vorgeschlagenen Regelungen, aber auch an der Intransparenz des Verfahrens wie der Jugendmedienschutzstaatsvertrag zustande gekommen ist und an der mangelnden Einbindung fachlicher Kompetenz von externen Experten. DIE LINKE in Brandenburg steht für einen Jugendmedienschutz der nicht ausschließlich restriktiv, sondern vor allem präventiv, d.h. medienpädagogisch umgesetzt wird. Kinder- und Jugendmedienschutz und Medienbildung müssen deshalb besser miteinander verbunden werden.  Wir unterstützen den flächendeckenden Ausbau in Brandenburg von medienpädagogischen Angeboten wie z.B. die Veranstaltung mit Eltern-Medien-Beratern in Berlin  oder das mit dem Schuljahr 2013/2014 gestartet Pilotprojekt Medienlotsen, welches im Auftrag der mabb an vier Brandenburger Oberschulen durchgeführt wird.