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Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Brandenburg e.V.

Wie stehen Sie konkret zur allgemeinen Ausrichtung der Kulturpolitik und der Förderung kultureller Bildung?

1. Welche Schwerpunkte und Chancen sehen Sie im Bereich der Kulturpolitik in Brandenburg und explizit im Bereich Kultureller Bildung in den nächsten fünf Jahren?

Grundlage der Kulturpolitik ist die Kulturpolitische Strategie, die der Landtag in der 5. Wahlperiode angenommen hat. Ihr Ziel ist es, die Kulturlandschaft in Brandenburg mittel- und langfristig zu erhalten, Gestaltungsspielräume zurückzugewinnen, neue inhaltliche Maßstäbe zu setzen, Vorhandenes besser zu nutzen und Ressourcen zu bündeln. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die eine hohe künstlerische Qualität gewährleisten, Spielräume für Neues und Innovatives müssen geschaffen werden. Kultur darf nicht in den Zugzwang geraten, sich ökonomisch rechtfertigen zu müssen. Allein wirtschaftliche Kriterien wie Effizienz und Rentabilität – so wichtig sie auch sind – werden einer Beurteilung von Kultur und Kulturpolitik nicht gerecht. Es muss immer auch der Eigenwert von Kunst und Kultur im Blick behalten werden. Kulturpolitik ist mehr als Kulturförderpolitik.
Große Bedeutung messen wir der Kulturellen Bildung bei - wir betrachten die Förderung der Kulturellen Bildung als eine wichtige Aufgabe der Kulturpolitik.
Bildungspolitisch dient der Umgang mit Kultureller Bildung nicht allein der Persönlichkeitsentwicklung und der Herausbildung von musisch-ästhetischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern neben der Entwicklung einer Lernmotivation fördernden Schulkultur auch konkret dem Ziel von Kreativität in allen Unterrichtsfächern und Fachbereichen, eingeschlossen kreative Lernprozesse zur Förderung von Individualität.

Aus der Perspektive der Jugendpolitik fördert Kulturelle Bildung Prozesse der Selbstbildung und Selbstentwicklung. Sie vermittelt Kompetenzen, die den Einzelnen zur Orientierung und zum produktiven Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen befähigt.

2. Sehen Sie einen Veränderungsbedarf in den aktuellen Förderstrukturen?

Ziel der Kulturpolitischen Strategie war ja u.a. eine Veränderung der Förderstrukturen – jetzt gilt es, sie umzusetzen, Erfahrungen zu sammeln und wenn es sich als notwendig erweist umzusteuern. Ob sich ein „Fonds Kulturelle Bildung“ in einem Flächenland wie Brandenburg als zielführend erweist, muss genau beobachtet, geprüft und notfalls revidiert werden.

3. Wollen Sie die kulturelle Kinder- und Jugendbildung im Schnittfeld von Jugend-, Bildungs- und Kulturpolitik stärken?

Auf jeden Fall – Kulturelle Bildung muss bereits in der Kita und in der Grundschule beginnen, dann in den weiterführenden Schulen und Hochschulen fortgesetzt werden und einen festen Platz in der Gesellschaft haben. Es muss darum gehen, die Ressourcen zu bündeln, die Fördermittel zu konzentrieren und gezieltere Förderinstrumentarien für die Kulturelle Bildung zu entwickeln. Da Kulturelle Bildung ein ressortübergreifender Schwerpunkt ist, bedarf auch ressortübergreifender Kooperation. Gerade hier gibt es aus unserer Sicht Nachhole- und großen Handlungsbedarf.

4. Wollen Sie sich für einen aufgabengerechten Ausbau der Förderung der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung durch die Kinder- und Jugendpolitik einsetzen?

Wir werden uns für einen solchen Ausbau der Förderung einsetzen. Wir halten es für besonders wichtig, Förderstrukturen zu schaffen, die den Beteiligten Planungssicherheit geben und für Kontinuität bei den Angeboten der Kulturellen Bildung sorgen.

Wie stehen Sie konkret zu den Entwicklungsperspektiven im Flächenland?

1. Wie sollen Sie sich langfristig im städtischen/ländlichen Raum engagieren? Welche Strukturen, Fördermaßnahmen halten Sie dort jeweils für besonders wichtig umzusetzen?

Um flächendeckende Angebote vorzuhalten, sollte nachgedacht und mit den beteiligten Verbänden und Vereinen Modelle beraten werden, die tatsächlich eine Netzwerkbildung befördern, das eigenverantwortliche Handeln der Fachverbände stärken, neue Angebote kultureller Bildung vor Ort initiieren und bürgerschaftliches Engagement stärken, z.B. wäre ein Stiftungsmodell denkbar.

2. Wollen Sie Kulturelle Bildung in die Stadtentwicklungspolitik integrieren?

Kulturelle Bildung sollte auf jeden Fall in die Stadtentwicklungspolitik integriert werden im Sinne einer besseren Zusammenarbeit von Kulturschaffenden, Kulturträgen und Bildungseinrichtungen und einer Schaffung und Nutzung von Synergieeffekten bis hin zur möglichen Fusionierung von Institutionen.

3. Was halten Sie von einer kommunalen Förderpflicht im Bereich Kulturelle Bildung?

Das halten wir nicht für anstrebenswert und zielführend und unter dem Aspekt der kommunalen Selbstverwaltung unter Umständen auch für problematisch – es sollte besonders die freiwillige Zusammenarbeit befördert werden. Kommunen sollten stärker in die Beantragung von Projekten einbezogen werden, gleichzeitig aber auch an der Kofinanzierung beteiligt werden (wenn die Mittel aus dem Finanzausgleichgesetz kommen).
Gegen kommunale Egoismen sollte angegangen werden, Kooperation zwischen Kommunen sollten gefördert und dafür Anreize geschaffen werden.

4. Halten Sie ein Kulturraumgesetz in Brandenburg für sinnvoll (ähnlich wie in Sachsen)?

Darüber sollte nachgedacht und Vor- und Nachteile genau abgewogen werden.

5. Wie stehen Sie zur Errichtung eines Fonds für Kulturelle Bildung in Brandenburg? Wie könnte ein solcher Ihres Erachtens umgesetzt werden?

(Siehe oben)

6. Die Prognosen weisen in den kommenden Jahren auf einen akuten Fachkräftemangel in kulturnahen Bereichen hin – nicht nur in Brandenburg. Wie wollen Sie dem Fachkräftemangel im Bereich der künstlerischen und kulturellen Ausbildung Brandenburg entgegenwirken? Wie können also qualifizierte Kräfte aller Kunstsparten und – formen in ganz Brandenburg – auch für die Ausbildung der kommenden Generationen – gebunden werden?

Wir haben die Beendigung der Ausbildung von Kunstlehrern an der Universität Potsdam nicht nur bedauert, sondern es für einen Fehler gehalten, konnten uns aber nicht durchsetzen. Es müssen Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden bzw. aus anderen Bundesländern qualifizierte Kräfte eingeworben werden. Da diese Situation in den anderen Bundesländern ähnlich ist, wird das nur gelingen, wenn es vernünftige (attraktive) Arbeitsbedingungen gibt.

7. Wie können die Beschäftigungsverhältnisse der Akteure der Kulturen Bildung heute schon verbessert werden – abseits von Projektalltag und selbstausbeutender Lebensweise? Wie können wir ein Umfeld schaffen, in dem die Ressourcen der Akteure nicht unentwegt mit dem Beschaffen von Projektgeldern gebunden werden, sondern sie sich mit ihrer Kreativität, ihrer Erfahrung und ihren Wissensquellen auf das Wesentliche konzentrieren können – nämlich auf die künstlerische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

DIE LINKE hält es für problematisch, wenn im kulturellen/künstlerischen Bereich ausschließlich Projekte gefördert werden und es keine institutionelle Förderung mehr gibt. Es bedarf aus unserer Sicht eines – wenn auch kleinen – Anteils an Stellen, die Kontinuität (schon allein für Antragstellungen) sichern helfen, Vorhandenes besser nutzen, Ressourcen bündeln und Netzwerkstrukturen schaffen. Gebraucht werden schlüssige Konzepte, Vernetzung und verlässliche Finanzierung.

Wie stehen Sie konkret zur kulturellen Bildung für alle?

1. An wen sollte sich Kulturelle Bildung Ihres Erachtens richten?

Kulturelle Bildung ist als übergreifender Prozess und als Aufgabe sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich zu verstehen. Sie richtet sich an alle Generationen, der Schwerpunkt ihrer Aktivitäten ist jedoch auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Sie muss in der Kita beginnen und über Schule, Ausbildung, Studium fortgesetzt werden.

2. Welche Akteure, Einrichtungen und Institutionen halten Sie für besonders unterstützenswert?

Schule ist für alle Kinder und Jugendlichen ein Begegnungsort mit Kultureller Bildung. Kulturelle Bildung ist Bestandteil und Schwerpunkt der außerschulischen Jugendbildung. Sie findet statt in der offenen Jugendarbeit, in Jugendverbänden, in den Jugendbildungsstätten und bei zahlreichen Vereinen und Organisationen.
Kulturelle Bildung ist auch Teil der Weiterbildung – rund ein Fünftel der anerkannten Bildungsfreistellungsveranstaltungen können der kulturellen Weiterbildung zugeordnet werden. Alle diese Institutionen, Vereine, Verbände usw. sind unterstützenswert – vor allem bei ihren Bemühungen, zu kooperieren, sich zu vernetzen und Synergieeffekte zu nutzen.

3. Wo fängt Kulturelle Bildung an? Macht es ihres Erachtens Sinn, Kulturelle Bildung bereits in den Kitas zu fördern?

Auf jeden Fall sollte sie in den Kita beginnen, was ja auch im Kita-Gesetz festgeschrieben und in den Grundsätzen elementarer Bildung konkretisiert ist. Erfahrungen (wie z.B. die Konsultationskitas) belegen die Richtigkeit dieses Ansatzes.

4. Möchten Sie die ästhetische Bildung mit den verschiedenen Sparten der Künste an Schulen als festen Bestandteil integrieren und falls ja, Warum? Planen Sie herfür mehr finanzielle Entscheidungsräume für die Schulen?

DIE LINKE tritt dafür ein, dass die musische und künstlerische Ausbildung in dem vorhandenen Fächerkanon bestehen bleibt. Eine Zusammenlegung der Fächer Kunst und Musik zu einem Fachkomplex lehnt sie ab, ebenso lehnt sie es ab, diese Fächer nur fakultativ zu unterrichten.

5. Wie stehen Sie zur Talentförderung, dem Ausbau künstlerischer Ausbildungsmöglichkeiten in Brandenburg?

DIE LINKE setzt sich für eine dezentrale Begabungs- und Talenteförderung ein. Die jetzige Förderung im Rahmen der Leistungs- und Begabungsklassen hält sie nicht für zielführend. Perspektivisch strebt die LINKE danach, Spezialklassen einzurichten, in denen bestimmte Talente, wie Mathematik, Sport, Musik, Kunst gefördert werden. Künstliche Ausbildungsmöglichkeiten sollten ausgebaut werden.

6. Sehen Sie einen Bedarf, Medienkompetenz stärker zu vermitteln? Falls ja, warum und welche Vorhaben planen Sie hierfür?

Den Bedarf sehen wir auf jeden Fall. Schulische Medienbildung wird mittlerweile als dauerhafter, pädagogisch strukturierter und begleiteter Prozess der konstruktiven und kritischen Auseinandersetzung mit der Medienwelt verstanden. Ihr Ziel ist der Erwerb und die Erweiterung von Medienkompetenz. Dazu gehören Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein sachgerechtes, selbstbestimmtes, kreatives und sozialverantwortliches Handeln in der medial geprägten Lebenswelt ermöglichen.

Sie umfasst auch die Fähigkeit, sich verantwortungsvoll in der virtuellen Welt zu bewegen und neben den Chancen auch die Risiken und Gefahren von digitalen Prozessen zu erkennen. Dazu werden Lehrkräfte benötigt, die mit den Medien und Medientechnologien kompetent und didaktisch reflektiert umgehen können. Für die Vermittlung von Medienbildung benötigen Lehrkräfte also sowohl eigene Medienkompetenz als auch medienpädagogische Kompetenzen. Sie müssen in der Lage sein, Medienerfahrungen von Kindern und Jugendlichen im Unterricht zum Thema zu machen, Medienangebote zu analysieren und umfassend darüber zu reflektieren, gestalterische und kreative Prozesse mit Medien zu unterstützen und mit Schülerinnen und Schülern über Medienwirkung zu sprechen.

Daher muss Medienbildung sowohl in den Bildungswissenschaften als auch in der fachbezogenen Lehrerausbildung der ersten und zweiten Phase ausreichend und verbindlich verankert werden. Das muss unserer Meinung nach in den Prüfungsordnungen verpflichtend verankert werden.

Außerdem müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die grundlegende Ausbildung für Lehrkräfte fortzuführen und zu ergänzen durch entsprechende bedarfsgerechte Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote, in denen Medienkompetenz und medienpädagogische Kompetenzen für bestimmte Anwendungssituationen und Aufgabenstellungen vermittelt und erworben werden können.

7. Wollen Sie – wie in anderen Bundesländern üblich - eine Servicestelle für bundesgeförderte Initiativen wie „Kultur macht stark“, eine FSJ-Kultureinsatzstelle in Brandenburg und damit den Ausbau der FSJ-Kultur Einsatzstellen in Brandenburg? Bitte begründen Sie ihre Entscheidung.

In dieser Frage sehen wir keinen Handlungsbedarf, denn: Die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Berlin e.V. ist der Dachverband für Mitgliedsorganisationen der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit in Berlin und Brandenburg. Sie berät und informiert ihre Mitglieder und Interessenten (Jugendliche, Lehrer/Innen, Eltern, Multiplikatoren) fachkundig in allen Fragen der konzeptionellen, strukturellen und finanziellen kulturellen Jugendbildung.

FSJ Kultur und Bundesfreiwilligendienste Kultur und Bildung in Berlin und Brandenburg sind die umfangreichsten Projekte der LKJ Berlin.

8. Die Landesvereinigungen Kultureller Jugendbildung leisten in den verschiedenen Bundesländern eine umfassende und unersetzbare Arbeit für die Entwicklungen der Kulturellen Bildung in ihren Ländern. Möchte Sie mit der LKJ Brandenburg e.V. auch die politische Vertretung der jugend-, bildungs- und kulturpolitischen Interessen der Kulturellen Bildung stärken und fördern, einen entsprechende Fachstelle in Brandenburg einrichten? Bitte begründen Sie Ihre Entscheidung.

(Siehe vorhergehende Antwort) Im Sinne einer weiteren Annäherung unserer beiden Bundesländer halten wir den gegenwärtigen Zustand und die gegenwärtige Struktur für hinreichend.