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Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe Nordost e.V.

Zuschnitt der Ministerien

Mit der Kombination Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz einerseits und Arbeit, Soziales, Frauen und Familie andererseits haben die beiden Ministerien der derzeitigen Brandenburger Landesregierung einen Zuschnitt, der Schnittstellenprobleme in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung begünstigt.

Der DBfK Nordost fordert, in der künftigen Landesregierung die bisher getrennten Geschäftsbereiche Gesundheit und Soziales zusammenzuführen und die Bereiche Verbraucherschutz, Natur und Umwelt anders zu verorten.

Zum Zuschnitt der Ministerien können wir erst nach der Wahl und nach möglichen Koalitionsverhandlungen verbindliche Aussagen treffen. Im Bereich der Pflegepolitik wird die Verzahnung beider Politikfelder - Soziales und Gesundheit - deutlich.

Erweiterte Qualifikationen von Pflegenden (ANP, FGP) bzw. Modellprojekte nach 63 (3)c SGB V

Angesichts der massiven Zunahme von chronischen Krankheiten und Multimorbidität im Flächenland Brandenburg bietet sich die Erprobung neuer Konzepte für die gesundheitliche Versorgung an.

Aus Sicht des DBfK kann der Einsatz von PflegeexpertInnen APN (Advanced Practice Nurse) hier eine wesentliche Stütze sein. Die Tätigkeit setzt einen Masterabschluss in Nursing Science voraus und ermöglicht die Verbindung zwischen Pflegewissenschaft und Pflegepraxis. Zu den Ausformungen gehört die Pflege von spezifischen Patientenpopulationen mit komplexen Pflegebedürfnissen oder auch das Angebot von definierten Interventionen, die bislang dem ärztlichen Aufgabenfeld zugeordnet wurden – nicht arztersetzend, sondern als erweiterte pflegerische Tätigkeit.

Auch die Familiengesundheitspflege (FGP) kann stabilisierend in der gesundheitlichen Versorgung wirken. Ihr Fokus liegt auf dem System der Familie mit den direkten Kontaktpersonen. Die pflegerische Expertise bei Pflegebedürftigkeit/chronischer Krankheit/Behinderung wird begleitet von Beratung und Case Management. Sie ermöglicht den Verbleib in der Häuslichkeit. Das Handlungsfeld 5 der Brandenburger Fachkräftestudie definiert diesen Bedarf.

Modellprojekte nach § 63 Abs. 3c SGB V wurden bereits vom Sachverständigenrat für das Gesundheits-wesen in seinem Gutachter 2007 als ein Beitrag zu einer effizienten und effektiven Gesundheitsversorgung empfohlen. In diesen Modellen übernehmen speziell dafür ausgebildete Pflegefachpersonen eigenverantwortlich Aufgaben, die bisher Ärzten vorbehalten waren. Menschen mit Diabetes mellitus beispielsweise oder Menschen mit chronischen Wunden können von der medikamentösen Versorgung bis zum Wundmanagement aus einer Hand versorgt werden. Es besteht der Bezug auf Handlungsfeld 6 der Brandenburger Fachkräftestudie.

Der DBfK Nordost fordert, den Einsatz von Pflegeexperten mit den genannten erweiterten Qualifizierungen in Brandenburg modellhaft zu erproben.

Bereits in der Vergangenheit wurden im Land Brandenburg Modellprojekte im Bereich der Pflege durchgeführt, insbesondere in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege.

Auch das Projekt „Agnes“, das den Pflegebereich stark tangiert, fällt in den Bereich nach § 63 (3)c SGBV. Die in der Fachkräftestudie Pflege im Handlungsfeld 6 beschriebene Aufgabenteilung und Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen bzw. Ärzten und Gesundheitsfachberufen wurde im März 2012 durch die erlassene Heilkunde-Übertragungsrichtlinie geregelt. Dies war ein erster Schritt in die richtige Richtung, der konsequent weitergegangen werden muss.

Es muss zu einer neuen, kompetenzgestützten Rollenverteilung zwischen den Gesundheitsberufen kommen.

Alle Modelle, die einer effizienten und effektiven Gesundheitsversorgung der Menschen im Land Brandenburg dienen, werden von der LINKEN unterstützt. Selbstverständlich werden von uns die dafür benötigten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen mit den entsprechenden Abschlüssen gefordert und gefördert. Eine besondere Priorität räumt DIE LINKE der häuslichen Alten- und Krankenpflege ein, denn ca. 70% aller Pflegebedürftigen werden von ihren Angehörigen betreut. Deshalb begrüßen wir alle Maßnahmen zur Verbesserung der Beratung, Weiterbildung, Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger. Hier insbesondere das Potenzial von Pflegekursen nach § 45 SGB XI und die Qualifizierung der Beratungseinsätze für Pflegegeldempfänger nach § 37 (3) SGB XI.

Eine verbesserte Koordinierung und Kooperation der Akteure kann das bestehende Beratungsangebot weitaus wirkungsvoller gestalten. DIE LINKE wird sowohl auf Landes- als auch auf Kreisebene ihre Möglichkeiten hierfür nutzen. Unsere Partei hält 19 Pflege- und Beratungsstützpunkte im Flächenland Brandenburg angesichts des demografischen Wandels für nicht ausreichend. Sie wird sich politisch für die Schaffung weiterer Stützpunkte einsetzen, um die Wege zur Beratung und Hilfe zu verkürzen. Die Erprobung des Einsatzes von Pflegeexperten mit den entsprechend erweiterten Qualifizierungen in Modellprojekten wird DIE LINKE selbstverständlich unterstützen.

Generalistische Ausbildung sowie Förderung und Ausbau der Pflegestudiengänge

Im Handlungsfeld 7 der Brandenburger Fachkräftestudie wurden Qualifikationskonzepte zur Fachkräfte-sicherung untersucht. Nach Überzeugung des DBfK wird die Attraktivität des Berufsbildes Pflege durch die generalistische Ausbildung gesteigert. Der Pflegeberuf wird nicht mehr auf ein Lebensalter bezogen, sondern ist ein gemeinsamer Ausbildungsgang, an den sich Spezialisierungen anschließen können. Die Neukonturierung des Berufsprofils wird die horizontale und vertikale Durchlässigkeit erhöhen und zur längeren Verweildauer im Beruf beitragen.

Den Start der pflegerischen Studiengänge an der BTU in Senftenberg hat der DBfK Nordost begrüßt. Er ist der Auffassung, dass die künftige Landesregierung die Möglichkeiten der akademischen Qualifikation erweitert sollte. Beispielsweise sollte das Masterstudium APN (derzeit FH Frankfurt, FH Jena und HAW Hamburg) auch im Land Brandenburg angeboten werden.

Der DBfK Nordost fordert die Parteien auf, sich neben der Bundes- auch auf Landesebene für die generalistische Ausbildung einzusetzen, sie an Schulen des Landes zuzulassen und die Akademisierung der Pflege voranzutreiben.

Die Pflegeausbildung ist zeitgemäß weiterzuentwickeln, um den Ansprüchen an eine qualitativ hochwertige Versorgung gerecht zu werden und den Handlungsradius der Pflegeberufe zu erweitern. Dazu ist die Integration der Pflegeberufe zu einer dreijährigen dualen Ausbildung mit einer zweijährigen einheitlichen Grundausbildung und einer anschließenden einjährigen Schwerpunktsetzung in allgemeiner Pflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege mit gleichwertigen Abschlüssen vorzusehen. Der Zugang zu den Pflegeberufen soll auch künftig über eine dreijährige Berufsausbildung erfolgen. Die Durchlässigkeit zwischen den Pflegeberufen und innerhalb des Bildungssystems muss gegeben sein.

Der Zugang zu einschlägigen Hochschulstudiengängen in Pflegewissenschaften, Pflegemanagement oder Lehramt ist ohne zusätzliche Hochschulzugangsberechtigung auf der Grundlage einer dreijährigen Ausbildung zu ermöglichen. Daneben ist die Anrechnung erworbener Qualifikationen und Berufserfahrungen auf weitergehende Qualifizierung sicherzustellen. Die integrierte Pflegeausbildung bietet eine breite Basisqualifikation. Die Vertiefung und Differenzierung erfolgt in Form von Weiterbildung oder in Pflegestudiengängen. Weiterbildungsabschlüsse sollten standardisiert und bundeseinheitlich geregelt werden.

Die Förderung des dritten Umschulungsjahres durch die Bundesagentur für Arbeit ist fortzusetzen, da die Vollfinanzierung der dreijährigen Umschulung zur Altenpflegerin/Altenpfleger in den Jahren 2009/2010 erfolgreich war und ein Beitrag dazu leisten kann, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Personalbemessung, Personalschlüssel und professionelle Entscheidungsspielräume

Aus den Studien zur künftigen gesundheitlichen Versorgung in Brandenburg ergibt sich die Forderung, umfassend und nachhaltig auf Fachkräftesicherung hinzuwirken. Auf die Ausbildung, die Bildung und nicht etwa Funktionalität für die Einrichtung intendiert, müssen nach Auffassung des DBfK Nordost Rahmenbedingungen der Berufstätigkeit folgen, die eine überbordende Belastung Einzelner eindämmen.

Des Weiteren muss das Qualifikationsniveau so steigen, dass die Arztorientierung im System zurückgedrängt wird und professionelle Entscheidungsspielräume für Pflegepersonen entstehen. Sie sollen auch auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit bezogen sein und Augenhöhe gewährleisten. Erforderlich ist auch der Spielraum bezogen auf die eigene Person. Er soll ein Anrecht auf Präventionsmaßnahmen und alternsgerechte Arbeitsplätze umfassen. Dass aus der sinkenden Zahl der Schulabgänger entsprechend weniger Berufsinteressierte hervorgehen, ist wenig beeinflussbar. Jedoch kann es gelingen, die Verweildauer im Beruf zu steigern und so den Fachkräftemangel abzumildern.

Der DBfK fordert ein Personalbemessungsinstrument in der klinischen Akutversorgung und einen Personalschlüssel in der stationären Altenhilfe, der über dem aktuellen Durchschnitt der Bundesländer liegt. Personalbemessung muss wissenschaftlich fundiert definiert werden.

Der DBfK fordert, politische Anstrengung in die Qualifizierung der Pflegefachlichkeit zu investieren, da-mit die Expertise der Branche erhalten bleibt und dem künftigen Bedarf gerecht werden kann.

Der DBfK fordert die Parteien auf, sich mit konkreten Maßnahmen zu einem Pflegeberuf zu bekennen, der aus dem Schatten der Arztorientierung heraustritt und die eigene wissenschaftlich fundierte Pflegefachlichkeit anwenden kann.

Auf die Fachkräftesicherung in Bezug auf Ausbildung und Qualifizierung wurde in der Antwort auf Frage 3 ausführlich eingegangen. Unabdingbar aus Sicht der LINKEN ist eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, um den Pflegeberuf einerseits attraktiver zu machen und andererseits Pflegekräfte lange im Beruf zu halten. Dies ist eine echte Herausforderung ebenso für die Pflegebranche wie auch für die Politik. Es gilt dabei den beruflichen Nachwuchs, bei zunehmender Konkurrenz, für Pflegeberufe zu gewinnen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Attraktivität und gesellschaftliche Anerkennung wachsen.

Bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen stehen Entlohnung, Arbeitszeitbedingungen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Konzepte altersgerechter Beschäftigung im Mittelpunkt. Um dies zu ermöglichen, sind alle Beteiligten gefragt. DIE LINKE wird sich hierbei konstruktiv im Interesse der Betroffenen einbringen. So treten wir für einen flächendeckenden Tarifvertrag ein. Nur so kann eine ausreichende Zahl an Fachkräften mit wachsender Kompetenz langfristig gewährleistet werden.

Wir begrüßen die Bereitschaft des Landes, seinen Beitrag zur Verbesserung der Einkommenssituation in der Pflege zu leisten, indem der durch eine Lohnerhöhung zu erwartende Kostenanteil bei der „Hilfe zur Pflege“ zur Verfügung gestellt wird. Dies ist ein richtiges und wichtiges Signal. Die Forderung nach einem besseren Personalschlüssel, der möglichst über dem aktuellen Durchschnitt der Bundesländer liegt, ist aus Ihrer Sicht nachvollziehbar. Allein die Tatsache, dass wir immer mehr Pflegepersonal in der Zukunft brauchen werden bei gleichzeitig geringer werdendem Angebot an qualifiziertem Fachpersonal, zwingt uns über eine Optimierung des Personaleinsatzes in der Pflege nachzudenken.

Die Herausforderung besteht darin, die hohe Versorgungsqualität trotz geringerem Fachkräfteeinsatz zu halten bzw. weiter zu entwickeln. Die Brandenburger Pflegestudie zeigt, dass qualitativ hochwertige Pflege mit einer geringeren Betreuungsquote funktionieren kann, wenn Pflege in Zukunft anders organisiert wird. Zum Beispiel: Einrichtungen und Dienste müssen sich mehr dem regionalen und familiären Umfeld öffnen. Auf Basis einer weiteren Ambulantisierung der stationären Pflege ist es durchaus möglich, die Qualität von Pflege bei optimiertem Personaleinsatz zu erhöhen.

Neben der Optimierung der Betreuungsquote stellt die Erhöhung der Vollzeitquote ein mögliches Instrument zur Lösung des Fachkräfte-Problems dar. Laut Umfragen will fast die Hälfte der Teilzeitkräfte gern Vollzeit arbeiten. Die Personalbemessung ist von vielen Faktoren beeinflussbar, die gewiss wissenschaftlich zu eruieren sind. Die auf dieser Basis vorgenommene Personalmehrausstattung sollte zur Entlastung der einzelnen Pflegekräfte und zur größeren Zufriedenheit der Pflegebedürftigen führen.
Im Fazit bekennt sich DIE LINKE zu einer qualitativ hochwertigen Pflege mit gut ausgebildeten Pflegekräften, bei attraktiven Arbeitsbedingungen und gerechter Bezahlung.