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Förderverein der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen e.V.

Welchen Stellenwert hat für Ihre Partei das Thema Erinnerungskultur,  insbesondere die Verfolgung und der Widerstand in der Zeit der Nazi-Diktatur sowie das Unrecht nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR?

DIE LINKE misst der Erinnerungspolitik und –kultur einen hohen Stellenwert bei. Daraus ergibt sich, dass sie die Arbeit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für sehr wichtig hält, deren Aufgabe es ist, die Vergangenheit aufzuarbeiten, die Erinnerung an begangene Verbrechen wachzuhalten und die Verfolgten und Opfer zu würdigen. Sie erhält und pflegt die baulichen Relikte der ehemaligen Konzentrationslager und regt in Ausstellungen, Veranstaltungen, wissenschaftlichen Forschungen, Publikationen und museumspädagogischer Arbeit zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte und der politischen Strafjustiz der DDR an. Das alles wird von uns hoch geschätzt und unterstützt
DIE LINKE legt sehr viel Wert darauf, dass die Verfolgung und der Widerstand in der Zeit der Nazi-Diktatur auf der einen Seite und das Unrecht nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR auf der anderen Seite getrennt voneinander behandelt werden. Beide Epochen sollten nicht miteinander verbunden werden – eine Relativierung nationalsozialistischer Herrschaft und Gewalt durch Hinweis auf die folgende Periode der Errichtung einer Diktatur und damit verbundener Verfolgung ist zu vermeiden.

Es ist bisher gut gelungen, an Orten mit zweifacher Vergangenheit – wie Sachsenhausen – sowohl die Verbrechen des Nationalsozialismus zum Gegenstand des Gedenkens und der politischen Bildung zu machen als auch das Leid und die Verbrechen stalinistischer Herrschaft nach 1945 darzustellen und den Opfern und ihren Angehörigen angemessene Orte des Erinnerns zu schaffen.

Das ist vor allem  der Ergebnis des engagierten Wirkens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung und vor allem des differenzierten Herangehens ihres Direktors, Herrn Prof Dr. Günter Morsch. Ihnen danken wir an dieser Stelle ganz herzlich für ihre Arbeit.

Wie und mit welchen Schwerpunkten soll das Thema Erinnerungskultur im Falle einer Regierungsbeteiligung ihrer Partei in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden?

Der Umgang mit der Erinnerungskultur steht gewissermaßen vor einem Paradigmenwechsel, da die Generation der Zeitzeugen oft nicht mehr zur Verfügung steht. Daher müssen andere Zugänge gesucht und gefunden werden, um bei jungen Leuten Verständnis für Geschichte zu wecken und zu befördern. Dazu muss die Stiftung inhaltlich,  personell und finanziell in die Lage versetzt werden.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Erinnerungskultur seit der Deutschen Einheit und insbesondere in den vergangenen zwei Legislaturperioden in Brandenburg?

Die Entwicklung der Erinnerungskultur wird von der LINKEN positiv beurteilt. Das ist vor allem dem Wirken der Stiftung „Brandenburgische Gedenkstätten zu verdanken. Die Rahmenbedingungen dazu sind in dem Konzept der Landesregierung „Geschichte vor Ort: Erinnerungskultur im Land Brandenburg für die Zeit von 1933 bis 1990“ aus dem Jahre 2009 festgeschrieben.

Positiv ist weiterhin hervorzuheben, dass die Verordnung über die Errichtung der rechtsfähigen Stiftung öffentlichen Rechts „Brandenburgische Gedenkstätten“ neu gefasst wurde, da im Laufe der Jahre die Aufgaben erweitert worden waren und nun auch satzungstechnisch eine Widerspiegelung finden mussten – insbesondere wegen der Euthanasie-Gedenkstätten in Brandenburg und der Thematisierung des politischen Strafsystems in der früheren Sowjetischen Besatzungszone.

Wie soll das Gedenkstättenkonzept des Landes Brandenburg aus dem Jahr 2009 umgesetzt werden? Welche Teile sind Ihrer Meinung nach bereits umgesetzt? Wo wollen Sie Prioritäten setzen? Welche Erwartungen haben sie an die Arbeit der Gedenkstätten?

Einige der im Konzept von 2009 vorgesehenen Vorhaben konnten bereits  realisiert werden – erinnert sei an den erfolgreichen Weg der Gedenkstätte Sachsenhausen  hin zu einem modernen zeithistorischen Museum, die Modernisierung der Gedenkstätte Ravensbrück oder - durch die Einbeziehung des Waldgeländes - die Weiterentwicklung des Museum des Todesmarsches im Belower Wald.

Auch hinsichtlich der Darstellung der Geschichte der „Euthanasie“ im Nationalsozialismus gibt es Fortschritte. Die Gedenkstätte Lindenstraße 54 in Potsdam hat mit einer neuen Dauerausstellung und verstärkter Öffentlichkeitarbeit ein neues Profil erhalten.

Der Aufarbeitung der Repressionsgeschichte in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR ist durch die Eröffnung der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikow-Straße  sowie durch ihre Anerkennung als Gedenkstätte von nationaler Bedeutung in der Gedenkstättenkonzeption des Bundes eine größere Aufmerksamkeit zuteil geworden.

Auch an zahlreichen Orten ehemaliger sowjetischer Speziallager konnten Ausstellungen realisiert und Orte für das Gedenken an die Opfer geschaffen werden. Die Aufarbeitung der bis zum Ende der DDR tabuisierten Repressionsgeschichte nach 1945 hat dazu geführt, dass die Geschichte der Speziallager heute im Vergleich zu den 1990er Jahren in weit geringerem Maße zum geschichtspolitischen Schlagabtausch geeignet ist. Auf der Grundlage von Forschungsergebnissen wurden informative Ausstellungen zu dieser Thematik in Brandenburg erstellt.

Die Herausforderung, die Erinnerung und das Gedenken an die Opfer der sowjetischen Speziallager in die Gedenkstättenarbeit zu integrieren, ohne die NS-Verbrechen zu relativieren bzw. die stalinistischen Verbrechen zu bagatellisieren, wird in der Gedenkstättenarbeit auch weiterhin beachtet werden müssen.

Die Geschichte von Widerstand und Alltag im Nationalsozialismus sollte in der brandenburgischen Erinnerungskultur einen größeren Stellenwert bekommen. Intensiver sollte den Fragen nachgegangen werden, wie sich die „große Politik“ auf das Alltagsleben der Menschen ausgewirkt hat und welche Aspekte des totalitären Regimes die bedeutende Mehrheit der Bevölkerung begeistert und an sich gebunden und das System auch jenseits von Repression und Repressionsandrohung stabilisiert hat.

Wünschenswert wären ein weiterer Ausbau und eine Vertiefung von Kooperationen – nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Rahmen. Denkbar wäre die Entwicklung von gemeinsamen Projekten der Erinnerungskultur mit Ländern, die von nationalsozialistischer Besatzung und von der Verfolgungspolitik betroffen waren oder in die Überlebende später emigriert sind. Insgesamt scheint es geboten, die Erinnerungskultur im Land Brandenburg stärker in die internationalen Kontexte einzurücken, um dem Vorurteil „provinzieller“ Enge zu begegnen.

Welche weiteren Vorhaben zur Erinnerungskultur wollen Sie in der nächsten Legislaturperiode verwirklichen?

Fortgesetzt und ausgebaut werden sollte die Kooperation mit Einrichtungen der politischen Bildung und vor allem mit Schulen. Die politisch-historische Bildung in den Gedenkstätten und Erinnerungsorten trägt neben der Vermittlung historischer Kenntnisse zur Herausbildung eines demokratischen Bewusstseins bei und unterstützt die Fähigkeit zur Mitwirkung an politischen Prozessen. Dazu ist die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungsträgern von großer Bedeutung. Ein Besuch von historischen Orten oder von Ausstellungen ergänzt, vertieft und vervollkommnet das in der Schule erworbene geschichtliche Wissen.

Dabei sollte Folgendes beachtet bzw. realisiert werden.

  • Die Bedeutung  von Gedenkstättenlehrern als Schnittstelle zwischen dem pädagogischen Angebot der Erinnerungsorte und der schulischen Bildung nimmt  zu. Die Kooperation zwischen ihnen und dem LISUM, dem MPZ und dem Landesschulamt gilt es zu intensivieren, damit Gedenkstättenbesuche entsprechend vor- und nachbereitet werden.
  • Authentische Gedenktorte müssen erhalten und gestärkt werden, Außenstellen als authentische Orte sichtbar gemacht werden.
  • Es gilt Projekte zu entwickeln, vor allem zwischen Gedenkstätten und Schulen.
  • Quellenarbeit muss einen größeren Raum einnehmen.

Teilen Sie die Auffassung, dass es einen Nachholbedarf in der gegenwärtigen Gedenkstättenarbeit gibt und wenn ja, in welchem Bereich sehen Sie diesen?

Die eingeschlagenen Wege und die bewährten Methoden sollten fortgesetzt werden, die in den Fragen zuvor gegebenen Anregungen sollten im Sinne einer Weiterentwicklung der Gedenkstättenarbeit in Erwägung gezogen werden. Besonderen Entwicklungsbedarf sehen wir bei der Aufstockung des pädagogischen Personals in den Gedenkstätten und der Gedenkstättenlehrer, um dem wachsenden Zustrom von nationalen und internationalen Gruppen zu entsprechen.

Wie beurteilen Sie die Finanzierung der laufenden Arbeit der Gedenkstätten?

Auf Initiative der LINKEN wurde die Finanzierung der Mittel für die Stiftung im Rahmen der Haushaltsberatungen für die Jahre 2013/2014 aufgestockt.
Insgesamt hat sich die Finanzierung aus Bundes- und Landesmitteln bewährt und sollte fortgeführt werden. Angesichts der vielfältigen Aufgaben, vor allem der zunehmenden Bedarfe auf dem Gebiet der politischen und kulturellen Bildung macht sich eine weitere Aufstockung erforderlich.