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Gute Bildung und Lebenschancen für alle von Anfang an

In der heutigen, stark auf Wissen basierten Gesellschaft ist Bildung die wichtigste Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, für individuellen Wohlstand und für die politische Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ohne Bildung gibt es kein selbstbestimmtes, kulturvolles Leben. Dieses Potenzial kann nur dann in vollem Umfang aktiviert werden, wenn der Zugang zur Bildung für alle nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch umgesetzt wird. Gute Bildung ist Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Landesaktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung soll fortgeschrieben und mit Leben erfüllt werden.

Wir haben in den vergangenen Jahren vieles stabilisieren und manches verbessern können, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Noch immer ist eine umfassende soziale Gleichheit in der Bildungsteilhabe nicht gesichert. Der Zugang zu Bildung ist zu stark vom Status der Eltern abhängig. Frühe Auslese durch ein gegliedertes Schulsystem schneidet Bildungschancen ab. Die Schulklassen sind, speziell in den Ballungsräumen, noch immer zu groß. Eine nachhaltige Personalausstattung zu gewährleisten, ist noch immer an eine große Kraftanstrengung des Landes gebunden. Die Qualität schulischer Bildung muss angesichts künftiger Herausforderungen deutlich verbessert werden. Hinzu kommt, dass die Schulbildung strukturell nicht hinreichend auf die Anforderungen eingestellt ist, die aus den divergierenden demografischen Entwicklungen in den verschiedenen Landesteilen erwachsen.

Brandenburg hat den Paradigmenwechsel, der dem Thema Bildung wirklich oberste Priorität in der Gesellschaft, in Denken und Handeln, verschafft, noch vor sich. Schaffen kann ihn Brandenburg nicht allein. Angesichts der erheblichen Diskrepanzen in der Finanzausstattung der Länder muss auch der Bund hier stärker in die Verantwortung genommen werden.

Bildung beginnt in der frühen Kindheit. In Brandenburg wird traditionell großer Wert auf frühkindliche Bildung und Erziehung gelegt. Im Hinblick auf Versorgungsdichte und Qualität der frühkindlichen Erziehung nimmt unser Land in Deutschland eine Spitzenposition ein. Die Zahl der betreuten Kinder ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Inzwischen besuchen die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren und nahezu alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren eine Kindertageseinrichtung.

Unser Land soll seine Spitzenposition bei der frühkindlichen Bildung weiter ausbauen - das wollen wir in den nächsten Jahren sichern. Der Impuls zu einer deutlichen Verbesserung des Betreuungsschlüssels ging in der vergangenen Legislatur von der LINKEN aus. Dieser Prozess ist fortzusetzen. In den Kindertagesstätten sollen daher bei den 1- bis 3-Jährigen eine Erzieherin bzw. ein Erzieher auf 5 Kinder (statt bisher 6), bei den 3- bis 6-Jährigen auf 11 (statt bisher 12) kommen. Kita-Leiterinnen muss mehr Zeit für pädagogische Arbeit gewährt werden (Leitungsfreistellung). Dazu ist die Ausbildung und Einstellung von 1.500 Erzieherinnen und Erziehern zu gewährleisten.

Das Kita-Angebot muss entsprechend der jeweiligen demografischen Entwicklung in den einzelnen Regionen und in seiner Struktur bedarfsgerecht erhalten werden. Die Qualifikation der Erzieherinnen und Erzieher wollen wir durch spezialisierte Bildungsangebote im Hochschulbereich weiter verbessern.

Auch Kindertagesstätten müssen zu inklusiven Einrichtungen entwickelt werden. Inklusion darf nicht erst in der Schule, sondern muss bereits in der Kita beginnen. Das Einschulungsalter sollte bei 6 Jahren liegen. Die Stärkung der Horte und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Horten ist unabdingbar.

Bessere schulische Bildung heißt für uns: Größere Verlässlichkeit von Schule, bessere Personalausstattung, Erhöhung der Unterrichtsqualität, Minimierung des Unterrichtsausfalls, Verringerung der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss und Erhalt der Schulstandorte, vorrangig der Grundschulstandorte im ländlichen Raum.

Dazu halten wir einen Einstellungsbedarf von mindestens 4.400 Lehrkräften bis 2019 für geboten (3.600 Ersatz für ausscheidende Lehrkräfte und mindestens 800 zusätzlich).

Dazu sind konkrete Maßnahmen erforderlich, die sicherstellen, dass über quantitative Bedarfe informiert und diese bei der professionsorientierten Ausbildung berücksichtigt werden. Die Lehrkräfteausbildung soll weiterhin hohe Praxisanteile beinhalten, die Fachdidaktiken und das Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Potsdam gilt es zu stärken. Danach muss es eine bedarfsgerechte Anzahl an Referendariatsplätzen geben, die nach transparenten Kriterien vergeben werden. Das Land soll zur Sicherstellung der Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern die Rahmenbedingungen attraktiv gestalten und im Ausnahmefall auf Seiteneinsteiger zurückgreifen, die bestmöglich pädagogisch zu qualifizieren sind.

Unser Ziel ist und bleibt die Gemeinschaftsschule, eine inklusive, demokratisch verfasste Ganztagsschule mit flexibler Schulausgangsphase zum Abitur. An ihr soll ein multiprofessionelles Team arbeiten, zu dem neben den Lehrkräften u.a. Inklusionspädagogen, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen bis hin zu Schulkrankenschwestern gehören. Diesem Ziel folgen wir mit Augenmaß und bauen – gemeinsam mit den Schulen und den dort Beschäftigten, mit der GEW, mit Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Kommunen – Voraussetzungen für längeres gemeinsames Lernen in einer Schule für alle Kinder mit guten Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte auf. Aus pädagogischen und demografischen Erwägungen halten wir die Gemeinschaftsschule für ein zukunftsfähiges Modell für Brandenburg. Doch dieses Projekt kann nur gelingen, wenn es von den Beteiligten gewollt, von unten wächst und auf freiwilliger Basis geschaffen wird.

Die nächsten Schritte zu längerem gemeinsamen Lernen, die in der Legislaturperiode bis 2019 zu realisieren sind, sollten daher aus unserer Sicht folgende sein:

  • Die Durchlässigkeit der bestehenden Schulformen muss erhöht werden. Dazu sind gleiche Rahmenlehrpläne und Stundentafeln für Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien bis Klasse 9 nötig.
  • Die Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe sind zu stärken, da sie dem pädagogischen Konzept der Gemeinschaftsschule am nächsten kommen.
  • Es sind Anreize zur Zusammenführung von Grund- und weiterführenden Schulen zu schaffen.
  • Bei der Begabungsförderung wird zugunsten besonderer Begabungen umgesteuert, die Leistungs- und Begabungsklassen laufen aus
  • Es bedarf des Einsatzes von mehr Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeitern und Sonder- bzw. Inklusionspädagoginnen und –pädagogen sowie von mehr Schulpsychologinnen und Schulpsychologen.
  • Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Pilotphase Inklusive Grundschule werden weitere inklusive Grundschulen geschaffen.
  • Zum Schuljahr 2017/18 soll eine wissenschaftlich begleitete Pilotphase begonnen werden, in der unterschiedliche Organisationsformen von Gemeinschaftsschulen zugelassen werden (u.a. Gesamtschule, aufwachsende Grundschule, Kooperation zwischen Grundschule und Schule der Sek I, Schule der Sek I ohne Grundschule oder Fusionsmodell – Schulverbünde, die als Kooperationen zwischen der Grundschule und Schule der Sek I gestartet sind, fusionieren zu einer Organisationseinheit)
  • Zur Unterstützung der Lehrkräfte beim Umgang mit Vielfalt bedarf es einer Aus- und Fortbildungsoffensive.

Kinder lernen in unseren Schulen ihre Rechte kennen und wissen, wie und wo sie bei Verstößen Hilfe erwarten können. Sie werden auch darüber informiert, dass wir in einem toleranten und weltoffenen Land leben, in dem alle Menschen willkommen sind und nicht nur Frauen und Männer gemeinsam leben.

Der Erwerb von Fremdsprachen, darunter der Nachbarsprache Polnisch, muss ein höherer Stellenwert eingeräumt werden.

Im Land hat sich eine vielfältige Hochschul- und Forschungslandschaft herausgebildet, die es auch zukünftig zu pflegen gilt. Gegenwärtig sind an den Hochschulen Brandenburgs etwa 50.000 Studierende immatrikuliert, knapp die Hälfte davon kommt aus Brandenburg selbst. Diese Gesamtzahl wollen wir halten. Nicht nur zur Realisierung dieses Zieles, sondern ebenso für die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen an den Hochschulen Brandenburgs wollen wir uns einsetzen. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Verbesserung der Qualität der Lehre und der sozialen Rahmenbedingungen des Studiums.  Für die langfristige Verbesserung der Lehrqualität streben wir zudem  eine öffentliche Ausfinanzierung der Hochschulen an. Hochschulen sind ein Ort, an denen der Raum für eine kritische Wissenschaft gegeben sein muss. Die Abhängigkeit der Finanzstruktur der Hochschulen von nichtstaatlichen Drittmittelgebern und ihren kurzweiligen wirtschaftlichen Interessen, muss daher überwunden werden.

In einem ersten Schritt werden wir in der kommenden Wahlperiode den Hochschuletat um 50 Millionen aufstocken. Außerdem wollen wir mehr Transparenz bei der Verwendung von Drittmitteln und eine Grundsatzdebatte über die Finanzierung von Wissenschaft durch nicht-staatliche Institutionen.

Wir wollen möglichst viele Studierende zu einem Studienabschluss führen; dabei soll der Masterabschluss die Regel sein um allen Bachelorabsolventinnen und -absolventen die Möglichkeit einer weiteren Qualifikation zu bieten. Prekäre Beschäftigung an Hochschulen ist zurückzudrängen. Dazu müssen u.a. Daueraufgaben mit Dauerstellen abgedeckt und langfristige Beschäftigungsverhältnisse abgeschlossen werden. Auch setzen wir uns für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte ein.

Sollen Studierende im erfolgreichen Abschluss ihres Studiums unterstützt werden gilt es insbesondere die sozialen Rahmenbedingungen zu verbessern. Hierzu zählt unter anderem die Bereitstellung von preiswertem Wohnraum und einer guten Kinderbetreuung. Eine sozial gerechte und solidarische Bildungspolitik muss die Türen zur Hochschule weit offen halten. Dies gilt insbesondere für Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Haushalten. Studiengebühren – egal in welcher Form –  wird es mit uns weiterhin nicht geben; die Rückmeldegebühren gehören abgeschafft. Wir treten grundsätzlich für ein elternunabhängiges Bafög ein.

Generell soll es mehr Durchlässigkeit in der höheren Bildung geben: Für die Zulassung zum Studium, zwischen den Studiengängen sowie zwischen den Hochschulen und speziell auch zwischen Hochschulen und Universitäten. Einen wichtigen Schritt sind wir mit der Ausweitung des Hochschulzugangs in dieser Wahlperiode schon gegangen. Um Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit weiter voranzutreiben, sollte jede akademische Lehreinrichtung ein Diversity-Konzept erarbeiten und umsetzen. Für die kommende Wahlperiode werden wir ein Hochschulzulassungsgesetz vorlegen.

Mehr Durchlässigkeit benötigt aber auch mehr Kooperation zwischen den Hochschulen. Gemeinsame Studiengänge oder hochschulübergreifende Forschungskonzepte wollen wir ebenso fördern wie eine Zusammenarbeit verschiedener Hochschultypen. Als Modellprojekt wollen wir besonders forschungsstarken Fachbereichen der Fachhochschulen das Promotionsrecht verleihen.

Zugang zu höherer Bildung hat auch eine räumliche Dimension. Daher sollten die Brandenburger Hochschulen als Verbund in zentralen Orten der dünner besiedelten ländlichen Räume eigene Präsenzstellen einrichten, an denen sie ihre Angebote vermitteln und das Interesse an einem Studium wecken. Dies kann verknüpft werden mit Weiterbildungsplattformen, die lebenslanges Lernen im ganzen Land unterstützen.

Hochschulen sind für uns nicht nur ein Lern- und Lehrort, sondern auch eine „Schule fürs Leben“. Daher müssen sich zentrale gesellschaftliche Themen wie Gleichstellung, Barrierefreiheit oder Demokratie auch hier wiederfinden. Die Konzepte der familienfreundlichen Hochschulen müssen konsequent umgesetzt und Frauen gezielt auf dem wissenschaftlichen Karriereweg gefördert werden. Wir vertreten weiterhin das Ziel, Hochschulgremien viertelparitätisch zu besetzen. Auch halten wir an dem Ziel fest, die Hochschulen über eine Zivilklausel auf eine nachhaltige und friedliche Forschung zu verpflichten.

Eine zentrale Bedeutung hat für uns der wissenschaftliche Nachwuchs. Ihn wollen wir nicht nur durch planbare Karrierewege und entsprechende Arbeitsbedingungen unterstützen, wir wollen ihn auch durch Graduiertenschulen, Forschungs-Netzwerke und den Aufbau einer landesweiten Post-Doc-Akademie befördert

Der Praxisbezug und insbesondere die enge Kooperation mit der Wirtschaft in der Region zählen zu den Stärken der brandenburgischen Hochschulen, die weiter gefördert werden sollen. Die Vernetzung mit den entstehenden Kompetenzclustern sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen im Metropolenraum um Berlin wie auch in den Wachstumskernen Brandenburgs stellen ein großes Potenzial dar, das es weiter auszuschöpfen gilt. Weiter vorantreiben wollen wir die Einrichtung von Gründerzentren an Hochschulen. Zur Unterstützung bei der Ausgründung von Unternehmen werden entsprechende Rahmenbedingungen angeboten. Mit dieser Strategie werden Innovationspotenziale und innovative Menschen für ein Leben und Arbeiten in Brandenburg gewonnen.

Wir begrüßen die Umwandlung der Hochschule für Film und Fernsehen zur ersten deutschen Filmuniversität und werden diese auch weiterhin unterstützen.

Brandenburg soll die Initiative für einen Hochschulpakt III übernehmen, der den Schwerpunkt auf die grundhafte Verbesserung der Lehrbedingungen an den Hochschulen legt und dessen bildungspolitischen Ziele sich konsequent an den Anforderungen einer solidarischen Wissensgesellschaft ausrichten.

Landes- und Kommunalpolitik müssen sich ihrer Verantwortung für den Erhalt der in Brandenburg gesprochenen und europarechtlich geschützten Sprachen Niedersorbisch, Niederdeutsch und Romanes (u.a. durch Förderung des schulischen Angebots und von Lehrerfortbildungen) stellen. Wir stehen für eine integrative Minderheitenpolitik, die die Kulturen und Sprachen aller ethnischen Minderheiten wie aller Regionalsprachen als Bereicherung im Zusammenleben von Menschen in unserem Land betrachtet. Insbesondere das Brandenburger Bildungssystem muss sehr viel stärker als heute die Bedürfnisse derjenigen berücksichtigen, die eine anerkannte Minderheiten- oder Regionalsprache noch als Muttersprache sprechen oder sich diese als Mutter- oder Fremdsprache aneignen wollen.

Das neue Sorben/Wenden-Gesetz stellt auch neue Anforderungen für den Kita- und Schulbereich, die Lehrerbildung/-weiterbildung und den Wissenschaftsbereich, die gesetzgeberisch und praktisch zu bewältigen sind. Insbesondere das bilinguale Witaj-Projekt ist endlich auf entsprechende konzeptionelle, schulorganisatorische, personelle und finanzielle Grundlagen zu stellen. Mit einem Gesamtkonzept zur Vermittlung der niedersorbischen/wendischen Sprache sind konkrete Schritte zur Fortführung des Witaj-Projekts und der Erhöhung der Qualität der sprachlichen Bildung umzusetzen.

Berufliche Bildung steht nach unserer Überzeugung allen Jugendlichen als Grundrecht zu. In diesem Zusammenhang bleibt unsere Forderung nach einer gesetzlich verbindlichen Ausbildungsplatzumlage aktuell. Ausbildende Betriebe werden durch die Mittel derer gefördert, die sich um diese Verantwortung drücken.

Die Berufsorientierung wollen wir dadurch erleichtern, dass wir den Praxisbezug von Schule landesweit und generell deutlich stärken. In der Kooperation mit Handwerkskammern gibt es dafür bereits gute Erfahrungen. Wir wollen eine frühzeitige ganzheitliche Berufs-, Arbeits- und Lebensweltorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen als Orientierungsphase für eine praxisnahe Auseinandersetzung mit Berufsfeldern.

Wir streben an, in Brandenburg eine Berufsausbildung mit Abitur einzuführen.

Wir wollen Berufsausbildung auch in ländlichen Regionen attraktiv halten. Standorte von Oberstufenzentren und Berufsschulen wollen wir halten, einen Ausbau der Wohnheimplätze prüfen.

Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt der Ausbildungs- und beruflichen Förderung von Jugendlichen mit Behinderungen. Die Berufsausbildung dieser Jugendlichen findet zwar statt, wird aber viel zu selten im Betrieb und viel zu oft außerbetrieblich umgesetzt. Und dies, obwohl es aufgrund so fehlender praktischer Erfahrungen als ein Manko für den späteren Berufseinstieg gilt. Aber es gibt Angebote staatlicher Förderung für Unternehmen, wenn sie junge Menschen mit Behinderungen ausbilden und ihnen Weiterbeschäftigungschancen einräumen. Diese Angebote wollen wir aktivieren, bewerben und den Betrieben wie den Jugendlichen selbst nahe bringen. Insgesamt ist das Förderangebot in dieser Hinsicht weiter zu verbessern und auszubauen.

Für eine weitere, arbeitsmarktpolitisch vernachlässigte Gruppe setzen wir uns ein: Die jungen Erwachsenen zwischen 25 und 35 Jahren ohne abgeschlossene Berufs- oder sogar Schulausbildung. Hier fordern wir Stärkung und Ausbau vorhandener Initiativen, die dieser Gruppe durch geeignete Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten eine zweite Chance auf einen Berufseinstieg bieten. Das nutzt den jungen Menschen - und kann zugleich einen wichtigen Beitrag zur Deckung des landesweiten Fachkräftebedarfs leisten.

Angesichts der Herausforderungen, die mit dem lebenslangen Lernen verbunden sind, erhält die allgemeine, politische und kulturelle Weiterbildung zunehmende Bedeutung, zumal der Weiterbildungsbereich bereits heute von seinen Teilnehmerzahlen her der größte Bildungssektor ist.

Es gilt, die Rahmenbedingungen für die Weiterbildung weiter zu verbessern. Es muss ermöglicht werden, dass jede Bürgerin und jeder Bürger, unabhängig von der individuellen sozialen Lage, ein breites Spektrum von Beratungs- und Bildungsangeboten nutzen kann. Dazu gilt es das Netz an Volkshochschulen und anderen Weiterbildungsträgern, insbesondere die Landesorganisationen der Weiterbildung und die Heimbildungsstätten, in seiner Vielfalt zu erhalten, zu stützen und finanziell besser auszustatten.

Praktika sind keine Arbeits- sondern Lernverhältnisse. Sie sollen daher in den Geltungsbereich des Berufsbildungsgesetzes aufgenommen werden. Für alle Praktika, ausbildungs- wie studienbegleitende, soll eine Vergütung von mindestens 300 Euro im Monat erfolgen. Praktikantinnen und Praktikanten mit Ausbildungs- oder Studienabschluss wiederum soll in der Regel der Berufseinstieg über reguläre Arbeitsverträge mit den gängigen Probezeiten ermöglicht werden; oder es sind ordentliche Honorarverträge abzuschließen. In beiden Fällen sind die branchenüblichen Löhne zu zahlen. Schülerpraktikantinnen und -praktikanten sollen mindestens für den anfallenden zusätzlichen Aufwand entschädigt werden.